Ecuador |

Protestdemonstrationen gegen Erdölförderung in Yasuni

In Quito protestierten gestern mehrere Hundert Personen gegen die Entscheidung der Regierung Correa, das Erdöl in Yasuni auszubeuten. Polizeiketten verhinderten mehrere Stunden lang bis zum Ende der Proteste, dass die Demonstranten zum Regierungspalast gelangen konnten. Dabei kam es zu Rangeleien mit den vor allem jugendlichen Demonstranten. Nach lokalen Presseberichten warfen einzelne Demonstranten Steine, die Polizei habe Gummigeschosse eingesetzt. Etwa ein Dutzend Personen seien verletzt worden, berichtet die Zeitung „El País“. Vier Personen wurden verhaftet, darunter auch der Vizepräsident des Dachverbandes der indigenen Völker Ecuadors (Conaie), Marco Guatemal. Alle Inhaftierten sind inzwischen jedoch wieder frei.

Zu der Protestdemonstration hatte die Föderation der Kichwa-Völker (Ecuarunari) aufgerufen. Deren Präsident, Carlos Pérez Guartambel, rief zu einer erneuten Demonstration in der Hauptstadt Quito für den 14. September auf.

Demonstriert wurde auch in der Provinzhauptstadt Azuay. Dort waren nach Angaben der ecuadorianischen Zeitung „El Comercio“ ebenfalls einige hundert Protestierende dem Aufruf der Ecuarunari gefolgt.

Indigene wollen Volksbefragung

Die Indigenen hatten eine Volksbefragung zur umstrittenen Ausbeutung der Erdölvorkommen in Yasuni gefordert. Der Oberste Gerichtshof des Landes muss nun zunächst entscheiden, ob eine derartige Befragung durchgeführt wird. Präsident Rafael Correa zeigte sich offen für den Weg der Volksbefragung. Laut Verfassung müssen sich fünf Prozent der eingeschriebenen Wähler für eine Befragung aussprechen. Auch das Parlament könnte eine Konsultation beschließen. „Sammelt die Unterschriften und wir machen eine Volksbefragung, ich bin mir sicher, dass das ecuadorianische Volk unserem Wort vertraut und wir erneut siegen werden“, hatte Correa in seiner wöchentlichen Radiosendung erklärt.

Rafael Correa hatte am 15. August erklärt, die viel beachtete Initiative seiner Regierung, das Erdöl in dem im Osten des Yasuni-Nationalparks gelegenen Feld ITT (Yasuni-ITT) gegen eine Kompensationszahlung im Boden zu belassen, sei gescheitert. Es waren nicht ausreichend Gelder in den eingerichteten Treuhandfonds eingezahlt worden. Diese Entscheidung hatte weltweit für Aufsehen und Enttäuschung gesorgt. Correa selbst zeigte sich enttäuscht und beklagte die „Scheinheiligkeit“ der Industrienationen beim Kampf gegen den Klimawandel. (bh)