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Protestcamp in Asunción für würdigen Wohn- und Lebensraum

Das Schicksal der indigenen Gemeinde Jetyty Miri steht beispielhaft für den andauernden Konflikt um die ungerechte Verteilung von Land in Paraguay. Seit mehreren Jahrzehnten kämpfen indigene Gemeinden dafür, ihr ursprüngliches Land zurückzuerhalten - ein Recht, das sogar in der Verfassung des südamerikanischen Landes festgehalten ist.

Ende 2017 ordnete die Staatsanwaltschaft die Umsiedlung der Jetyty Miri von ihrem ursprünglichen Land an, da es offiziell einem brasilianischen Siedler zugesprochen wurde. Als die Betroffenen sich weigerten, das Gebiet im Bezirk Canindeyú zu verlassen, brannten die Häuser von 18 Familien nieder. Wer dafür verantwortlich ist, bleibt bis heute ungeklärt. In Folge der Ereignisse waren die nun heimatlosen Familien die Ersten, die im Dezember vergangenen Jahres ihr Lager auf der Plaza de Armas aufschlugen.

Tausende durch Überschwemmungen obdachlos

Ihnen folgten im Januar dieses Jahres die zahlreichen Opfer der verheerenden Überschwemmungen in Asunción. Zu Beginn des neuen Jahres sorgten schwere, anhaltende Regenfälle dafür, dass der Fluss Paraguay über seine Ufer trat und mehrere Armenviertel entlang des Flusses nahezu komplett unter Wasser standen. Insgesamt verloren 20.000 Menschen ihre Häuser durch die Überflutungen und wurden in Behelfslagern untergebracht. Auch drei Monate später ist die Situation vieler Opfer nicht besser. Zahllose von ihnen harren nach wie vor in den Notunterkünften aus oder haben sich Hütten aus Holz und Dosen gebaut. Sie warten darauf, wieder ein festes Dach über dem Kopf zu haben.

Wohnen in Würde

Am vergangenen Wochenende stießen weitere 1.000 Menschen zu den Protestierenden auf der Plaza de las Armas. Obdachlose, die ihre Wohnungen teilweise aufgrund der horrenden Mieten in Asunción verloren haben, verlagerten ihr Camp vom Cuartel de la Victoria, 20 Kilometer außerhalb der Millionenmetropole, in das Zentrum von Asunción. Die Obdachlosen haben die Initiative „Nueva Patria“ gegründet, die auf den Prinzipien der Selbstverwaltung und kollektiver Arbeit basiert. Sie wollen in einer eigenen Gemeinde eine neue Art des Zusammenlebens etablieren und fordern von der Regierung ein entsprechendes Stück Land.

Am 23. März 2018 besetzten die Mitglieder der Gruppe den historisch bedeutsamen Platz Cuartel de la Victoria, erklärten sich aber am 3. April bereit, diesen zu räumen. Die paraguayische Regierung hat den Vertretern der Initiative bisher drei Grundstücke angeboten, die diese jedoch ablehnten. „Die angebotenen Grundstücke sind entweder sehr weit weg oder verfügen nicht über die Möglichkeit der grundlegenden Versorgung mit Strom und Wasser“, erläuterte César Fleitas von „Nueva Patria“ gegenüber der Presseagentur Efe.

Gemeinsam und solidarisch

Das Problem der Wohnungsknappheit und der Anspruch auf bestellbares Land schwelen schon seit langem in Paraguay, blieben aber von der Regierung des Präsidenten Horacio Cartes bisher weitestgehend unbeantwortet. Durch die Überschwemmung spitzen diese sich erneut zu und drängen nun auf entsprechende Lösung. „Sowohl die Chacariteños (Bewohner des am stärksten von den Überflutungen betroffenen Stadtviertels) als auch unsere indigenen Brüder erkennen sich als ein gemeinsames Volk an; hier gehören wir derselben Klasse an und kämpfen gemeinsam für dasselbe Ziel: Ein Stück Land. Die Probleme sind dieselben: Wohnen, Land und eine bessere Lebensqualität“, so Fleitas.

Laut der Staatssekretärin Natalia Cáceres Martínez hat das Nationale Sekretariat für Wohnungsbau und Lebensraum bereits große Schritte unternommen, um der Wohnungsknappheit zu begegnen. Es präsentierte am 6. April 2018 einen ersten Plan und diskutierte diesen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen. „Wir haben bedeutende Fortschritte in Bezug auf Wohn- und Lebensraum gemacht, doch dieser muss erst konsolidiert werden. Es bedarf einer nachhaltigen Planung, um die großen Forderungen zu erfüllen, die im ganzen Land bestehen“, erklärte Martínez.

Autorin: Anna-Maria Jeske

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