Haiti |

Protest gegen Hybridsaatgut-Spende

Als „weiteres Erdbeben“ bezeichnete Chavannes Jean-Baptiste, Leiter des haitianischen Kleinbauernverbandes MPP, die Spende von 475 Tonnen Hybridsaatgut durch den US-Konzern Monsanto. Das Saatgut sei hochgradig mit Pestiziden belastet, so der Bauernführer. Frühere Berichte, dass es sich bei der Spende um gentechnisch verändertes Saatgut (GVO-Saatgut) handele, wies der Konzern am 13. Mai in einer Presseerklärung zurück. Auch der haitianische Landwirtschaftsminister dementierte am selben Tag diese Meldung: Es gebe gegenwärtig keine Gesetze, die den Einsatz von GVO-Saatgut mit dem Namen Roundup Ready regeln würden. Daher habe das Landwirtschaftsministerium das Angebot des Konzerns zurückgewiesen, derartiges Saatgut zu spenden.

Der Verband MPP forderte dazu auf, das gespendete Saatgut im Wert von 4 Mio. US-Dollar zu verbrennen. In einem offenen Brief bezeichnete Chavannes Jean-Baptiste die Spende als „direkten Angriff auf die kleinbäuerliche Landwirtschaft, auf die biologische Vielfalt und das einheimische Creole-Saatgut sowie auf alles, was uns von der haitianischen Umwelt noch geblieben ist“.

Das Getreidesaatgut sei mit dem Fungizid „Maxim XO“ und die Tomatensamen mit der Chemikalie Thiram behandelt worden. Dies berichtet die Koordinatorin der Nichtregierungsorganisation Other Worlds, Beverly Bell. Thiram gehört zur Gruppe der Dithiocarbamate. Mit der Chemikalie behandelte Maissamen hätten bei Versuchen an Ratten besorgniserregende Resultate gezeigt, so dass die US-Umweltbehörde EPA eine genauere Untersuchung angefordert habe, so Bell. Die EPA sei zu dem Schluss gekommen, dass Landwirte im Umgang mit der Chemikalie Schutzkleidung tragen müssten, weil Thiram sehr gefährlich sei. Die EPA verhängte außerdem eine Kennzeichnungspflicht, sprach eine Warnung für Pestizide aus, die diese Chemikalie enthalten, und erließ ein Verkaufsverbot solcher Pestizide für Heimgärtner, da diese über keine adäquate Schutzkleidung verfügten, so die Koordinatorin der in Haiti ansässigen Organisation.

Die Kritik am Hybridsaatgut richtet sich jedoch nicht nur gegen die Chemikalien­belastung. Aus der Ernte von Hybridsamen kann nur bedingt neues Saatgut für die Aussaat im Folgejahr gezogen werden. Daher sind Bauern in der Regel gezwungen, jedes Jahr neues Hybridsaatgut beim Hersteller zu kaufen. „Sie zerstören damit unsere Chance, uns selbst zu ernähren“, beklagt Jonas Deronzil, aus einer Kleinbauernkooperative in der Region Verrettes.

Die MPP plant für den 4. Juni, dem „Internationalen Tag der Umwelt“, einen Protestmarsch zur Konzernniederlassung von Monsanto in Haiti.

Quelle: alterpresse