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Präsident von Indigenenbehörde Funai tritt zurück

Der Chef der Indigenenbehörde Funai kam seiner Entlassung zuvor. Foto: Adveniat/Jürgen Escher
Der Chef der Indigenenbehörde Funai kam seiner Entlassung zuvor. Foto: Adveniat/Jürgen Escher

Nach weniger als einem Jahr im Amt ist der Präsident der staatlichen brasilianischen Indigenenbehörde Funai zurückgetreten. Franklimberg Ribeiro de Freitas, ein Heeresgeneral indigener Abstammung, kam damit seiner Entlassung durch Staatspräsident Michel Temer zuvor, wie brasilianische Medien am Donnerstagabend, 19. April 2018 (Ortszeit), berichteten. Er selbst gab "persönliche Gründe" an. Allerdings sollen der Agrarlobby nahestehende Parlamentsabgeordnete seine Entlassung gefordert haben.

Nach offiziellen Angaben der Agrar-Fraktion sollen sich 170 indigene Vertreter über Freitas Amtsführung beschwert und seine Entlassung gefordert haben. Aus Kreisen der Indigenen wird diese Version jedoch bestritten. Brasilianische Medien verbreiten derweil eine andere Version, nach der rund 40 Abgeordnete und Senatoren sich vor einigen Tagen bei Temer über Freitas beschwert haben. Er habe sich nicht nachdrücklich genug für die Interessen der Landwirtschaft eingesetzt.

Agrarlobby versus indigene Schutzgebiete

Präsident Temer ist im Kongress von den Stimmen der Agrarlobby abhängig, die ihn bereits zweimal vor einer Korruptionsanklage bewahrt haben. Im Gegenzug setzt sich Temer für eine Lockerung der Umwelt- und Indigenenrechte ein. Die Privatwirtschaft ist besonders auf die Schutzgebiete der Indigenen aus. Dort lagern wertvolle Bodenschätze. Zudem braucht die industrielle Landwirtschaft neue Flächen für Viehzucht und den Anbau von Soja und anderen Früchten.

Seit Temers Amtsantritt im Mai 2016 ist die Funai massiv unter Druck geraten. Ihre Haushaltsmittel wurden radikal gekürzt; sie kommt kaum noch ihren Aufgaben nach, die 305 indigenen Völker Brasiliens zu schützen. Auch die Einrichtung neuer Schutzgebiete ist unter Temer zum Stillstand gekommen. Über eine Nachfolge in der Leitung der Funai hat sich der Präsident noch nicht geäußert.

Quelle: KNA

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