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Präsident Piñera entlässt Polizeichef

Chile, Polizei

Ein Polizeiwagen bei Temuco, Chile (Symbolfoto: Adveniat/Matthias Hoch)

Der chilenische Präsident Sebastian Piñera hat am Donnerstag, 20. Dezember 2018, den nationalen Polizeichef Hermes Soto entlassen, als bekannt wurde, dass der junge Mapuche Camilo Catrillanca im November nicht, wie ursprünglich behauptet, bei Protesten versehentlich erschossen, sondern ermordet wurde. Dies sei laut einem Regierungssprecher deutlich auf fünf unterschiedlichen Videos zu erkennen, die bisher unterschlagen wurden. Camilo Catrillanca starb bei einem Protest der Mapuche in Araucania durch mehrere Schüsse, als Demonstranten und Polizei aneinander gerieten. Die nationale Polizei behauptete daraufhin, der 24-Jährige sei ins Kreuzfeuer geraten und nicht absichtlich erschossen worden. Schon damals hatten zahlreiche Chilenen umgehend gegen die massive Polizeigewalt protestiert.

Präzedenzfall der chilenischen Geschichte

Als nun der Nachweis auftauchte, dass die Polizei während der Proteste tatsächlich gezielt geschossen hatte, weigerte Soto sich trotzdem zurückzutreten. Da der nationale Polizeichef nicht entlassen werden kann, musste Piñera ein Präsidialdekret erlassen. Es ist das erste Mal in der chilenischen Geschichte, dass dies notwendig gewesen ist. Mit Soto müssen zehn weitere Generäle ihren Posten verlassen. Piñera gab gegenüber der Presse an, dass die Institution in eine schwere Glaubwürdigkeitskrise geraten sei und nun eine neue Führung benötige. Der Nachfolger für Hermes Soto steht noch nicht fest. Es gibt einige Stimmen, die im Zusammenhang mit den Vorfällen den Rücktritt des Innenministers Andres Chadwick fordern. (aj)

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