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Präsident optimistisch nach Entfernung von neuem Krebstumor

Diesmal kam Venezuelas Präsident Hugo Chávez möglichen Spekulationen zuvor: der neuerliche Tumor, der ihm soeben bei einer Operation in Kuba aus dem Beckenbereich entfernt wurde, sei bösartig, erklärte der Staatschef am Sonntag in einer Fernsehansprache. Dieser Rückfall sei keinesfalls überraschend für ihn gekommen, fügte der 57jährige hinzu. Auf Anraten der Ärzte werde er sich nun einer Bestrahlung unterziehen, erklärte Chávez, der in rotem T-Shirt und blauem Hemd an einem Schreibtisch sass, eingerahmt von der kubanischen und venezolanischen Flagge . „Die Prognose ist gut, weder gibt es Metastasen noch sind nahegelegene Organe betroffen. Es gab keine Komplikationen nach der Operation, keine sechs Tage danach bin ich wieder voll auf dem Damm und optimistisch“, fügte er in seiner kurzen Ansprache hinzu. Am Sonntag fand in Havanna ein ökumenischer Gottesdienst statt, in dem der Päpstliche Nuntius in Anwesenheit der Aussenminister Kubas und Venezuelas für die Gesundheit des venezolanischen Staatschefs betete. Um welchen Krebs genau es sich handelt, gab Chávez aber auch diesmal nicht bekannt. Es kursieren mehrere Versionen vom Prostata-über Darmkrebs bis hin zu einer seltenen, aber sehr aggressiven Form der Krankheit im Muskelgewebe.

Vertraulichen Berichten von Ärzten zufolge sind die Aussichten nicht gut; verschiedene Quellen gehen von einer Lebenserwartung von ein bis zwei Jahren aus. Chávez kandidiert Anfang Oktober erneut als Präsidentschaftskandidat der regierenden Sozialistischen Einheitspartei Venezuelas (PSUV). Sein Herausforderer ist der 39jährige Gouverneur Henrique Capriles Radonski von der Oppositionellen Einheitsplattform. Eine Veranstaltung Capriles´ am Wochenende wurde von bewaffneten Schlägertruppen mit Pistolenschüssen und Tränengas aufgelöst. Laut der Opposition handelte es sich dabei um Anhänger der PSUV. Die Regierung sprach hingegen von einer „simulierten Show“ und warf der Opposition vor, den Wahlkampf vorzuziehen. Die Krankheit des Staatschefs und die Frage, ob er in der Lage sein wird, das Land weitere sechs Jahre zu führen, wird nach Auffassung von Meinungsforschern das beherrschende Thema der Kampagne sein. (sw)