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Präsident Lugo verliert an Rückhalt

Paraguays Präsident Fernando Lugo sieht sich zunehmend heftiger Kritik von Seiten jener gesellschaftlichen Kräfte ausgesetzt, die ihn bislang unterstützt hatten. In Kürze wird die Hälfte seiner fünfjährigen Amtszeit abgelaufen sein. Begleitet von außerordentlich großen Erwartungen hatte der ehemalige Bischof im August 2008 die Präsidentschaft angetreten – ein historischer Moment für Paraguay, die 61 Jahre währende Vorherrschaft der Colorado-Partei war gebrochen.

Warten auf Agrarreform

Linke Organisationen beklagen aber, Lugo habe seine wichtigsten Wahlversprechen nicht eingehalten und betreibe inzwischen eine konservativere Politik als zu Beginn. Im Fokus stehen hierbei die ausgebliebene Agrarreform und das Thema Innere Sicherheit. Soziale Proteste würden kriminalisiert, die Repression verschärfe sich, heißt es. Kritik entzündet sich auch an Lugos Privatisierungs-Politik, die vor allem den Verkehrssektor betrifft. Umweltschützer wiederum sehen die Biodiversität durch große Zugeständnisse an Unternehmen bedroht. Und bei der Berücksichtigung indigener Interessen – das Thema hatte im Wahlkampf eine wichtige Rolle gespielt – werden nach Ansicht der Kritiker keine Fortschritte erzielt.

Demokratischer Nachzügler Paraguay

Paraguay war als Nachzügler im südamerikanischen Vergleich erst sehr spät zur Demokratie gekommen: Von 1954 bis 1989 hatte der Diktator Alfredo Stroessner das Land eisern im Griff gehalten. Lugo, so die Hoffnungen seiner Unterstützer, werde den Demokratisierungsprozess vertiefen. Der Präsident musste wegen einer Krebs-Erkrankung mehrere Chemotherapien über sich ergehen lassen und gilt inzwischen als geheilt. (bs)

Autor: Gustavo Torres, Quelle: www.noticiasaliadas.org