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Polizist nach Razzia in Mapuche-Dorf erschossen

Im Zuge einer Razzia der chilenischen Polizei in der Mapuche-Gemeinde Wente Winkul Mapu im Verwaltungsbezirk Ercilla (Provinz Araucanía) sind vorgestern zwei Polizisten der 2. Spezialeinheit GOPE verletzt worden. Der 39-jährige Hugo Albornoz wurde von einem Schuss im Nacken getroffen und erlag wenige Stunden später im Krankenhaus von Temuco seinen Verletzungen.

Die Spezialeinheit habe auf Anordnung des Staatsanwalts Luis Chamorro in den Häusern des Ortes bei Verdächtigen nach Beweisen für den Mordversuch an einem Polizisten sowie die widerrechtliche Aneignung des Landgutes „Centenario“, im Oktober 2011 gesucht. Nach Angaben des Innenministeriums sei unter anderem eine selbstgebaute Schusswaffe und Munition sichergestellt worden. Ein Verdächtiger im Fall der Landbesetzung wurde verhaftet, zudem seien drei weitere Personen verhaftet worden, zwei davon wegen illegalen Waffenbesitzes, so die chilenische Tageszeitung „El Mostrador“.

Regierung will Sicherheitskomitee gründen

Nach lokalen Presseberichten sei der Konvoi aus Polizei und Staatsanwaltschaft beim Verlassen des Dorfes aus einem nahe gelegenen Wald heraus beschossen worden. Der Polizeichef Gustavo González bezeichnete den Angriff auf den Konvoi als die Tat von „feigen Kriminellen“. Innenminister Hinzpeter reiste gestern in die Region. Nach Gesprächen mit regionalen Vertretern und Sicherheitskräften erklärte die Regierung, ein Sicherheitskomitee gründen zu wollen. Der höchste Strafverteidiger, Georgy Schubert, warnte hingegen vor Vorverurteilungen. Zudem seien die Ursachen für derartige Gewalt komplex. „Das strafrechtliche System allein kann diesen Konflikt nicht lösen“, so Schubert laut der Tageszeitung „La Nación“.

Mapuche kritisieren gewaltsame Übergriffe der Polizei

Die Mapuche-Gemeinde denunzierte in einer Erklärung die massive Gewaltanwendung bei den Hausdurchsuchungen. „Das Haus der religiösen Autorität der Mapuche ist während der Durchsuchung zerstört worden, Fensterscheiben, Türen und Haushaltsgeräte“ seien zu Bruch gegangen sowie der gesamte Mehlvorrat für den Winter und der Kühlschrank samt Inhalt zerstört worden. Zudem hätten die Polizeieinheiten Schüsse abgegeben und Tränengas in Gegenwart von Kindern und Alten abgefeuert, so der Sprecher der Gemeinde, Daniel Melinao. Die Anwendung von Tränengas in Häusern von Mapuche war von einem Berufungsgericht in Temuco verboten worden.

Die indigene Gemeinde Wente Winkul Mapu fordert die Rückgabe von ehemaligen Mapuche-Territorien, das sich gegenwärtig im Besitz mehrerer Forstunternehmen und des Großgrundbesitzers Juan de Dios Fuentes befindet. (bh)