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Polizeigewalt und Ausschreitungen bei Gedenkmarsch

Bei einem Gedenkmarsch für den im Januar 2008 durch einen Polizisten erschossenen Mapuche Matías Catrileo in der südchilenischen Temuco sind mehrere Personen verhaftet worden, darunter auch die Mutter und die Schwester des Getöteten. José Ancalao, ein Sprecher der Mapuche-Studentenorganisation (Femae) erklärte außerdem, er selbst und weitere Teilnehmer seien von der Polizei brutal geschlagen worden. Ancalao wurde dabei an der Nase verletzt.

Die etwa 200 Teilnehmenden hatten sich vor einem Polizeigebäude postiert und die Suspendierung des Polizisten Ramírez gefordert, der Matías Catrileo mit einem Schuss in den Rücken getötet hatte. Ramírez hatte für seinen tödlichen Schuss auf den damals 23-jährigen Catrileo bei einer Landbesetzungsaktion der Mapuche nur eine dreijährige Haftstrafe erhalten. Diese musste er jedoch nicht antreten, sondern konnte mit Meldeauflagen auf freiem Fuß bleiben. Die Protestierenden forderten in einem Protestbrief, dass der Innenminister sich öffentlich mit den Vorwürfen der Mapuche auseinandersetze und die Politik Verantwortung für den Vorfall übernehme. Etwa 12 Personen, die in das Polizeigebäude eingedrungen waren, darunter auch Mutter und Schwester des Getöteten, wurden verhaftet, heißt es in lokalen Presseberichten.

Ombudsmann kritisiert chilenische Justiz

Der Anwalt und Ko-Direktor der Ombudsstelle, Jose Aylwin, bedauerte die Vorfälle und erklärte, dass Straflosigkeit und fehlende Gerechtigkeit hierfür die Ursache seien. Wenn ein Polizist für eine derartige Tat nur drei Jahre und einen Tag Haft mit Meldeauflagen erhalte und danach seinen Dienst wieder antreten könne, „bedeutet das praktisch Straflosigkeit“, kritisierte Aylwin.

Erst am vergangenen 15. Dezember hatte der Oberste Gerichtshof Chiles das Urteil gegen Ramírez bestätigt, woraufhin die Angehörigen des Getöteten ankündigten, Klage vor der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) einzureichen.

Gedenkmärsche und Kundgebungen gab es auch in Concepción, San Fernándo, Stockholm und der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile. In Santiago sei es im Anschluss an eine friedliche, nicht angemeldete Demonstration von etwa 500 Mapuche zu schweren Ausschreitungen durch Vermummte gekommen, heißt es in Presseberichten. Dabei seien ein Motorrad der Polizei und ein Bus mit Brandbomben beworfen und beschädigt worden. (bh)