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Polizei und Militärs besetzen Armenviertel

Mit Panzerfahrzeugen, Hubschraubern und schweren Waffen haben Polizei und Militärs am Wochenende zwei Armenviertel von Río de Janeiro besetzt. In den im Norden der Millionenstadt gelegenen Favelas Jacarezinho und Manguinhos waren bis in den Morgenstunden am Montag mehr als 2000 Uniformierte im Einsatz, so Berichte lokaler Medien. »Das ist ein Schritt in Richtung Frieden, für weniger Morde, weniger Autodiebstähle und Einbrüche«, zog Sergio Cabral, Präfekt des Bundesstaates von Rio de Janeiro Bilanz im TV-Sender »Globo News« Bilanz.

Die groß angelegte Aktion stand unter dem Oberkommando einer Eliteeinheit der Militärpolizei (BOPE). »Ohne eine Kugel abgefeuert zu haben und ohne Blutvergießen konnte wir das Gebiet an rund 70000 Menschen zurückgeben, das ist das Wichtigste«, erklärte José Mariano Beltrame, Sekretär der Stadtverwaltung für Sicherheit in Río. Laut Polizeiangaben wurden bei Razzien hunderte Personen verhaftet sowie eine große Anzahl von Drogen, automatischen Gewehre, Schusswaffen und Handgranaten beschlagnahmt. Nach Ende des Einsatzes hissten BOPE-Einheiten auf dem Hauptplatz von Manguinhos die brasilianische Fahne und sangen die Nationalhymne, um die »Wiedereroberung des Staatsgebietes« zu feiern, berichtete am Montag »CNN Mexiko«.

Der Einsatz ist Teil einer Langzeitstrategie der brasilianischen Behörden. Bis zu Beginn der Fußballweltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen zwei Jahre später sollen alle 40 Armenviertel der südamerikanischen Nation »befriedet« werden. Seit 2008 wurden laut offiziellen Angaben 30 Favelas unter staatliche Kontrolle gebracht. »40 oder 50 Jahre waren sie vergessen«, erklärt Polizei-Offizier Bruno Xavier. In Rio de Janeiro lebt jeder Vierte im Armenviertel. 2010 waren bei einer ähnlichen Aktion in der Favela Alemao mehr als 30 Menschen getötet worden. (bb)