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Polizei besetzt weitere Favelas in Rio

In einer groß angelegten Polizeiaktion hat die Regierung Rio de Janeiros zwölf weitere Favelas der Millionenmetropole besetzt. Mehr als tausend bewaffnete Polizisten sind am frühen Sonntagmorgen in die Stadtteile im Norden Rios eingerückt. Sie wurden von drei Hubschraubern und zwei Militärfahrzeugen begleitet. Nach Angaben der Behörden sei kein einziger Schuss gefallen. In den Gebieten sollen nun schnellstmöglich zwei Befriedungstrupps der Polizei stationiert werden, um so die Sicherheit in den Favelas zu garantieren, in denen insgesamt rund 15.000 Menschen leben. „Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung Frieden“, resümierte der Gouverneur Rios, Sergio Cabral Filho, im Anschluss den Einsatz der Polizisten.

Der Einsatz ist Teil einer groß angelegten Befriedungsaktion. Bereits seit 2008 besetzt die Regierung Rio de Janeiros mehr und mehr Favelas. Diese sind nach offiziellen Angaben häufig unter der Kontrolle von Drogenbanden und damit die Quelle für Gewalt und Unsicherheit in der Stadt. Die Sicherheitsstrategie ist vor allem in Verbindung mit den anstehenden sportlichen Großereignissen in Brasilien entstanden. Das Land empfängt im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr sowie der Olympischen Sommerspiele 2016 zahlreiche Sportler und Besucher aus der ganzen Welt. In der Vergangenheit wurde die Polizei in diesem Zusammenhang auch immer wieder für ihr gewaltsames Vorgehen kritisiert.

In den letzten fünf Jahren wurden in Rio de Janeiro bereits mehr als 30 Befriedungstrupps in Favelas stationiert. Kritiker gehen davon aus, dass die Regierung mit dieser Strategie die Banden und die Gewalt zwar aus den entsprechenden Favelas verbannen kann, aber nicht langfristig in den Griff bekommen wird. Sie befürchten eine Verdrängung der Problematik in andere Stadtteile. (aj)