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Politik braucht "weibliche Intelligenz"

Der Anteil der Frauen in politischen Führungspositionen beträgt keine zehn Prozent,. Diejenigen, die es nach oben geschafft haben – darunter Michelle Bachelet aus Chile - , nutzten ihre geballte Präsenz in New York zum Anlass der 66. UN-Vollversammlung, um eine größere Beteiligung von Frauen an politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen einzufordern.

Der Anteil der Frauen in politischen Führungspositionen beträgt keine zehn Prozent, geht aus Zahlen der Vereinten Nationen hervor. Diejenigen, die es nach oben geschafft haben, nutzten ihre geballte Präsenz in New York zum Anlass der 66. UN-Vollversammlung, um eine größere Beteiligung von Frauen an politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen einzufordern.

"Die politische Partizipation von Frauen ist für jede Demokratie entscheidend und im Interesse des Frieden und der nachhaltige Entwicklung unverzichtbar", schrieben die versammelten Staats- und Regierungschefinnen, Ministerinnen und UN-Führungskräfte in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Der neuen UN-Frauenorganisation ´UN Women´ zufolge haben erst 28 Länder die Hürde von 30 Prozent genommen, die die Vereinten Nationen als kritische Masse mit Blick auf die Beteiligung von Frauen in nationalen Parlamenten gesetzt haben. 19 Frauen stehen derzeit an der der Spitze von Staaten und Regierungen.

Michelle Bachelet, die ehemalige Präsidentin Chiles und Exekutivdirektorin von UN Women, appellierte an Frauen und Männer gleichermaßen, sich solidarisch zu verhalten und für mehr Gendergerechtigkeit zu sorgen. "Uns verbindet doch das gemeinsame Ziel, Frauen den Weg für eine Mitwirkung an allen Entscheidungen zu ebnen", sagte sie in New York.

"Von der Intelligenz der Frauen profitieren"

Wie die Chefin von UN Women weiter betonte, geht es dabei nicht nur um mehr Mitsprache in Entscheidungen, die allein Frauen betreffen, sondern die für die ganze Welt auf globaler, regionaler, nationaler und lokaler Ebene relevant sind. "Es geht darum, von der Intelligenz der Hälfte der Menschheit – der Intelligenz der Frauen – zu profitieren."

US-Außenministerin Hillary Clinton zufolge muss sichergestellt werden, dass im Zuge der sich ständig wandelnden Gesellschaften insbesondere in Nordafrika und Nahost die tausenden Frauen, die an den Pro-Demokratie-Demonstrationen teilgenommen haben, eine aktive Rolle für die Zukunft ihrer Länder spielen könnten. Als positives Beispiel führte sie Tunesien an, wo die für das neue Wahlrecht zuständige Kommission beschlossen hat, dass die auf den Wahllisten geführten Personen zur Hälfte Frauen sein müssen.

Die tunesische Frauenministerin Lilia Labidi schilderte die schwierige Lage tunesischer Frauen in den vergangenen 20 Jahren. Obwohl sie unter dem alten Regime 30 Prozent der Parlamentssitze hielten, hätten sie nie wirklich etwas zu sagen gehabt. Den neuen Parteien ihres Landes warf sie vor, nichts für die politische Partizipation von Frauen zu tun.

Frauenquoten sind nach Angaben der Interparlamentarischen Union (IPU) nach wie vor die wirksamste Methode, um den Frauenanteil in der Politik sukzessive zu erhöhen. Ein gutes Beispiel gibt Kirgisistan ab. Gab es dort 2005 noch keine weibliche Abgeordnete, konnte das Land 2008, drei Jahre nach der Aufnahme einer Quote in das nationale Wahlrecht, mit 25,6 Prozent den höchsten Anteil von Frauen in den Parlamenten Zentralasiens verbuchen.

Weltweit konnten sich Frauen Ende 2010 19,1 Prozent der weltweiten Parlamentssitze sichern – ein Rekordhoch. Zehn Jahre zuvor waren es gerade 13,1 Prozent gewesen.

Melanie Haider, IPS-Weltblick