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Piñera bekräftigt Anspruch auf die Antarktis

Gleich zwei Tage weilte Chiles Präsident Sebastián Piñera auf dem "weißen Kontinent". Gemeinsam mit seinem Amtskollegen aus Uruguay, José Mujica, stattete Piñera der Antarktis in diesen Tagen einen Besuch ab, um die Bedeutung des südlichen Kontinents für Chile zu hervorzuheben.

Auf der Basis "Eduardo Frei Montalva", der größten chilenischen Station der Antarktis, unterstrich der Regierungschef, welche Bedeutung die Region für Chile besitzt und kündigte ein „langfristiges Antarktis-Programm“ an, "das auf der Basis von Analysen des Antarktis-Instituts, des Politischen Komitees der Antarktis und unserer Streitkräfte zusammengestellt wurde." Hintergrund des Programms ist unter anderem die chilenische Suche nach einem neuen Standort für einen militärischen Stützpunkt innerhalb des Polarkreises. Chile wolle seine territorialen Ansprüche auf diese Weise schützen, erklärte Piñera.

In einer am Wochenende veröffentlichten Stellungnahme des chilenischen Präsidentenpalastes heißt es, dass „die chilenische Antarktis eine Fläche von 1,25 Millionen Quadratkilometern umfasst“. Die Grenzen der chilenischen Antarktis seien „im Dekret 1747 des Außenministeriums vom 6. November 1940 festgelegt“.

Kontrollierter und sauberer Antarktis-Toursimus

Intensiviert werden soll nach Willen der chilenischen Regierung auch der Antarktis-Tourismus. Dazu soll die südchilenische Region "Magallanes" zum Tor zur Antarktis und die Städte Punta Arenas und Puerto Williams „als bequeme und privilegierte Häfen für den Zugang zum Antarktischen Kontinent“ ausgebaut werden. Im Ausbau eines kontrollierten und ökologisch sauberen Antarktis-Tourismus sehen Experten ein interessantes wirtschaftliches Potential.

Amtskollege Mujica rief aus dem uruguayischen Hauptquartier “Jose Artigas” die "lateinamerikanische Familie" dazu auf, den natürlichen Reichtum der Region zu schützen. Piñera und Mujica besuchten anschließend gemeinsam die Insel "Decepción" wo sie Überreste der von einem Vulkanausbruch 1967 zerstörten und inzwischen verlassenen chilenischen und britischen Basis begutachteten.

Förderung von Rohstoffen ist untersagt

Beide Präsidenten unterstrichen nochmals die Bedeutung des international anerkannten Antarktisvertrages. Er legt fest, dass die unbewohnte Antarktis zwischen 60 und 90 Grad südlicher Breite ausschließlich friedlicher Nutzung, besonders der wissenschaftlichen Forschung, vorbehalten bleibt. Die Förderung von Rohstoff-Ressourcen in der Region ist untersagt. Der Vertrag wurde auf der Antarktiskonferenz 1959 von zwölf Unterzeichnerstaaten in Washington beraten und trat 1961 in Kraft.

Der Vertrag besitzt bis heute eine enorme politische Bedeutung, weil er der erste Vertrag nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war, der die Prinzipien der friedlichen Koexistenz zwischen Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung festschrieb. Vor zwei Jahren wurde er um weitere 50 Jahre verlängert. Die Antarktis war am 28. Januar 1820 von einer russischen Expedition entdeckt worden.

Autor: Tobias Käufer, Bogotá