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Pfarrer Solalinde: "Die Karawane war ein großer Gefallen für Trump"

Menschrechtspreisträger und Migrantenpfarrer Alejandro Solalinde. Foto: Klaus Ehringfeld

Pfarrer Alejandro Solalinde geht davon aus, dass es künftig derart große Karawanen nicht mehr geben werde, da sich ihr Scheitern bis in die Ursprungsländer herumgesprochen habe. Foto: Klaus Ehringfeld

Der Menschenrechtspreisträger und Migrantenpfarrer Alejandro Solalinde hat massive Kritik an den Organisatoren der zentralamerikanischen Migrantenkarawane geäußert. „Die Karawane war ein großer Gefallen für Trump“, sagt der mexikanische Geistliche. „Es war doch völlig klar, dass die vielen Menschen ohne Papiere niemals die Grenze zu den USA würden überwinden können“. Aber vor allem die Organisation „Pueblo Sin Fronteras“, (Volk ohne Grenzen), die von Anfang an die Karawane begleitet hat, habe die Menschen falsch oder gar nicht aufgeklärt, kritisiert Solalinde. „Sie haben die Migranten Glauben gemacht, Trump würde sich an der Grenze ihrer Erbarmen und sie rüber lassen“, betont Solalinde im Gespräch am Rande der Buchmesse von Guadalajara. „Ich weiß nicht, welche Ziele sie damit verfolgt haben“. Es sei richtig, menschlich und humanitär zu handeln, aber dabei dürfe man nicht naiv sein, bekräftigt der Geistliche. 

Mangelnde Kooperationsbereitschaft der Organisatoren
 
Die mexikanisch-amerikanische Organisation „Pueblo Sin Fronteras“ sei zudem auf dem langen Weg von Zentralamerika bis an die US-Grenze nicht an Kooperation mit anderen Organisationen und Experten interessiert gewesen, die sich schon lange mit der Migration durch Mexiko beschäftigen. „Sie wollten keine Argumente hören, waren nicht zugänglich für Kompromisse“, betont der 73-Jährige, der seit mehr als zehn Jahren die Migrantenherberge in Ixtepec im Bundesstaat Oaxaca leitet und Träger des Nationalen Menschenrechtspreises ist. „Pueblo Sin Fronteras“ hätte immer darauf geachtet, dass die Gruppe als Ganzes in seiner Größe von mehreren Tausend zusammenbleibe und so bis an die Grenze zur USA gelange. „Sie haben das ganze Vorhaben großartig zum Scheitern gebracht,“ so Solalinde. Die mehreren Tausend zentralamerikanischen Migranten vor der Haustür der USA und der Versuch einiger, die Grenze zu stürmen, sei genau das gewesen, was Trump brauchte, um „das Geld für seine Mauer zusammenzubekommen“. Solalinde geht davon aus, dass es künftig derart große Karawanen nicht mehr geben werde, da sich ihr Scheitern bis in die Ursprungsländer Honduras, El Salvador und Guatemala rumgesprochen habe. 

Zentralamerika bei der Entwicklung helfen - Fluchtursachen bekämpfen

Der seit ein paar Tagen amtierende neue Präsident Mexikos, Andrés Manuel Lopez Obrador habe diese „heiße Kartoffel“ der zentralamerikanischen Migranten an der Grenze nun von der Vorgängerregierung geerbt. „Er kann die Menschen woanders unterbringen, ihnen Arbeit in Mexiko geben oder ihnen dabei helfen, in anderen Ländern, wie zum Beispiel Kanada, Asyl zu finden“. Mittelfristig bestehe die Lösung darin, den Ländern Zentralamerikas bei der Entwicklung zu helfen. „Dabei muss aber sichergestellt werden, dass sich Politiker und Oligarchen nicht die Taschen voll machen“, betont Alejandro Solalinde. López Obrador will zudem die Regierung in Washington von einer Art „Marshall-Plan“ für Zentralamerika überzeugen. Demnach würden Mexiko und die USA gemeinsam rund 20 Milliarden Dollar vornehmlich an privaten Investitionen zusammentragen, um die Fluchtursachen in Honduras, El Salvador und Guatemala zu bekämpfen. Zudem sollen Zentralamerikaner auch in großen Infrastrukturprojekten Arbeit finden, die Mexiko im unterentwickelten Süden des Landes plant.
 
Solalinde äußerte zudem vernichtende Kritik an Ex-Präsident Enrique Peña Nieto. „Es war die schlimmste Regierung aller Zeiten in unserem Land“, betont der Pfarrer. „Es war ein zynisches, mörderisches und korruptes Regime. Peña Nieto hätte man in dem Moment die Handschellen anlegen sollen, in dem er die Präsidentenschärpe abgelegt hat.“ In die sechs Jahre seiner Amtszeit fiel das Verbrechen an den 43 Studenten von Ayotzinapa im September 2014 und wurden geschätzte 200.000 Menschen ermordet. Die Korruptionsskandale erreichten unter Peña Nieto selbst für Mexiko ungekannte Ausmaße.

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