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Petrocaribe - Retter vor den Turbulenzen des ölpreises?

Kaum eine Komponente beeinflusst die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes so stark wie der ölpreis. Auch das mittelamerikanische Honduras, eines der ärmsten Länder Lateinamerikas, ist von den Turbulenzen des ölpreises abhängig. Nun diskutiert das Land, ob es dem Erdölbündnis Petrocaribe wieder beitreten soll, um besser auf die Preisschwankungen reagieren zu können.

Eine entsprechende Initiative hat die Regierung von Staatspräsident Porfirio Lobo gestartet. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bei diesem Thema bald Fortschritte machen“, sagte Lobo in dieser Woche. Honduras ist dabei allerdings abhängig von der Entscheidung Venezuelas, dass als ölfördendes Land maßgeblich die Geschicke des Erdölbündnisses bestimmt.

Das Petrocaribe-Abkommen soll den Preisspitzen die Schärfe nehmen. Der Vertrag stammt aus dem Jahr 2005 wurde zwischen einigen Staaten aus Mittelamerika und der Karibik mit dem Erdölproduzenten Venezuela geschlossen. Mitgliedsländer erhalten bei ölpreisen über 100 US Dollar die Möglichkeit, die Lieferungen in Raten zu bezahlen, wenn sie sich im Gegenzug verpflichten einen langfristigen Rückzahlungsplan einzugehen. Möglich ist unter anderem ein Langzeitkredit von bis zu 25 Jahren mit einer Mindestverzinsung von 1 Prozent. Die Konsumländer bezahlen dann durch einen Teil der Summe sofort, den Rest dann über Jahre hinaus in Raten.

Preissschwankungen sollen abgefedert werden

Am 4. Januar wird für ein Barrel öl 111,97 US Dollar (Brent) gezahlt. Innerhalb der letzten zwölf Monate gab es erhebliche Preisschwankungen von 92,37 bis zu 127,02 US Dollar. Genau diese Preisspannen soll mit Hilfe des Bündnisses abgefedert werden.

Kritiker befürchten, dass die Mitgliedsländer in eine zu große wirtschaftliche Abhängigkeit zum Lieferranten Venezuela geraten. Befürworter sehen in den Zahlungsmodalitäten für ärmere Länder die Chance, ölpreisspitzen abzufedern.

Kardinal Oscar Rodriguez hat sich nun in die Debatte eingeschaltet und eine sorgfältige Prüfung des Vorhabens gefordert. "Es ist traurig, dass das Land seine Verschuldung weiter ausbauen muss", sagte der Oberhirte der Hauptstadtdiözese Tegucigalpa nach einem Bericht des Internetportals Proceso Digital. Besonders in Zeiten der Finanzkrise sei es notwendig, langfristige Kreditvereinbarungen sorgfältig zu prüfen, so Kardinal Rodriguez weiter.

Mitgliedschaft von Honduras ausgesetzt

Venezuela hatte im Anschluss an den Staatsstreich in Honduras 2009 die verbilligten Erdöllieferungen an Honduras eingestellt. Honduras war im Dezember 2007 während der Amtszeit des 2009 gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya dem Erdölbündnis Petrocaribe beigetreten

Die Mitgliedsländer des Petrocaribe-Abkommens in der Übersicht: Antigua und Barbuda, Bahamas, Belize, Dominica, Dominikanische Republik, Grenada, Guatemala, Guyana, Haiti, Jamaika, Kuba, Nicaragua, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Suriname, Venezuela. Die Mitgliedschaft von Honduras ist ausgesetzt.

Autor: Tobias Käufer, Bogotá