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Pazifikpakt als Gegenmodell zu Alba

“Pazifikpakt”, so heißt das neue Integrationsvorhaben, das die Präsidenten aus Kolumbien, Chile, Mexiko und Peru am Donnerstag in Lima unterzeichnet haben. Ziel ist laut dem gastgebenden Außenminister Jose Antonio Garcia Belaunde eine „vertiefte Integration der Länder, die ein gleiches wirtschaftliches Modell, eine offene Marktwirtschaft und freien Handelsaustausch befürworten“ – sprich, eine liberale Allianz als Gegenpol zum sozialistischen Alba-Pakt, der von Venezuela angeführt wird und dem noch Bolivien, Nicaragua, Kuba und drei kleinere Karibikinseln angehören.

„Gewisse Affinität“

Es bestehe eine „gewisse Affinität“ zwischen den Unterzeichnern, so Belaunde weiter. Noch sei der Pakt kein verbindlicher Vertrag, sondern zeige nur den Weg auf, dessen Ziel der freie Verkehr aller Güter, Dienstleistungen, Personen und des Kapitals sei. Außerdem wollten die Mitglieder eine gemeinsame Strategie für die Eroberung der asiatischen Märkte entwickeln. Der Pazifikpakt soll anderen interessierten Ländern offenstehen. Panama hat bereits einen „Beobachterstatus“ inne.

Zur Unterzeichnung waren Juan Manuel Santos aus Kolumbien, Sebastian Piñera aus Chile und Felipe Calderon aus Mexiko nach Peru gereist. Die Initiative geht auf Perus Präsidenten Alan Garcia zurück, und ist gleichzeitig ein Versuch, den Favoriten für die zweite Runde der Präsidentschaftswahl im Juni, Ollanta Humala, auf ein liberales Wirtschaftsmodell einzuschwören. Humala tritt mit einer linksnationalistischen Plattform an, hat in den vergangenen Monaten aber Abstand genommen von früheren, radikaleren Positionen und vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez.

Zahlreiche wirtschaftliche Verflechtungen

Es gibt bereits zahlreiche wirtschaftliche Verflechtungen zwischen den beteiligten Ländern, so haben Mexiko und Peru einen Freihandelsvertrag geschlossen, Kolumbien und Peru sind Mitglieder des Andenpaktes, Mexiko, Chile und Peru sind mit Asien über die Mitgliedschaft in der Apec verbunden. „Das ist ein ehrgeiziges Vorhaben, viel mehr als nur ein Freihandelsvertrag“, erklärte Piñera, und Santos sprach von einem „wichtigen Schritt auf dem Weg zu mehr Wohlstand“.

Unter anderem sollen die Börsen kooperieren und die Infrastruktur integriert werden. Calderon prophezeite, das Bündnis werde „den Grundstein legen für eine der wachstumsstärksten und wettbewerbsfähigsten Zonen in Lateinamerika“. Während der Mercosur (der gemeinsame südamerikanische Markt mit Brasilen, Argentinien, Paraguay und Uruguay) ein Handelsaufkommen von jährlich 543 Milliarden Dollar habe, kämen die Pazifikanrainer auf 872 Milliarden.

In Lateinamerika gibt es zahlreiche Modelle wirtschaftlicher und politischer Integration, die nach einer kurzen Blütephase wegen interner Streitigkeiten ins Stocken gekommen sind, darunter der Mercosur, Alba, der Andenpakt und die Caricom. Auch für die Pazifikgruppe wird es nach Ansicht des ökonomen Jorge Gonzalez nicht einfach werden, die Integration umzusetzen und ihre Handelsstrategien aufeinander abzustimmen.

Sandra Weiss, Puebla