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Pataxü-Indigene besetzen Land in Bahia

Auch Brasiliens Ureinwohnern platzt irgendwann einmal der Kragen. Anfang dieser Woche haben Indigene vom Volk der Pataxó-Hã-Hã-Hãe Ländereien im Bundesstaat Bahia besetzt, nachdem sie mehr als 28 Jahren auf einen Richterspruch über die betreffenden Ländereien gewartet haben. Das traditionell indigene Land war damals von weißen Siedlern besetzt worden. Die jetzt erfolgte Besetzung soll Druck auf die Behörden und die Gerichte machen, endlich eine Entscheidung zu treffen, so Vertreter der Indigenen.

Seit 1982 durch weiße Landwirte besetzt

Gegen 4.30 Uhr besetzten etwa 350 Indigene fünf Gebiete mit insgesamt 5.000 Hektar, wie der Indiander-Missionsrat CIMI auf seiner Webseite berichtete. 1982 hatten weiße Landwirte das Land besetzt und dort Kakao angepflanzt und Viehzucht betrieben. Damals hatten die Indigenen die Indigenenbehörde FUNAI und Gerichte eingeschaltet, um die Besetzung rückgängig zu machen. Zwar hatte die FUNAI im Namen der Indigenen eine Klage eingereicht, die zuständigen Gerichte blieben jedoch untätig.

Schwere Verluste und Drogenkonsum

„Wir kämpfen für die vollständige Bsetzung unserer Länder,“ erklärte der Volk in einer Stellungnahme zu der Landbesetzung. „Dabei stoßen wir auf Großgrundbesitzer, die ihre Interessen mit Schießpulver verteidigen. Dies hat uns über die Jahre schwere Verluste zugefügt,“ so der Text weiter. Das Volk und alle angrenzenden indigenen Gemeinden würden unter dem negativen Einfluss der weißen Siedler leiden. So habe sich zum Beispiel der Drogenkonsum unter den Indigenen ausgebreitet, wofür die Indigenen die weißen Siedler direkt verantwortlich machen.

Gericht vernachlässigt den Fall

Brasiliens neue Verfassung von 1988 garantiert den Ureinwohnern ausdrücklich das Besitzrecht über ihre traditionellen Siedlungsgebiete. Vor zwei Jahren hatte sich deshalb Brasiliens Oberstes Gericht, das mit dem deutschen Verfassungsgericht vergleichbar ist, des Landstreits angenommen. Während der Abstimmung über den Fall hatte sich dabei einer der elf Richter eine Bedenkzeit erboten, während ein Richter kurz darauf verstarb. Seitdem ruht der Fall.

Autor: Thomas Milz