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Pascuala Ilabaca auf musikalischer Mission

Die chilenische Musikerin Pascuala Ilabaca hat sich in ihrem Land schon einen Namen gemacht. Vor kurzem hat sie ihre erste Europatour beendet. Im Interview spricht sie darüber, was ihre Musik typisch chilenisch macht und über ihre Reise nach Indien.

In einer Besetzung von fünf Musikern verbindet Pascuala Ilabaca und ihre Band Rockmusik mit traditionellen chilenischen Rhythmen und eigenwilligen Jazz und Drum ´n´ Bass Elementen. Neben Schlagzeug, Bass und Gitarre werden die Arrangements durch verschiedene Blasinstrumente sowie Akkordeon und Klavier abwechslungsreich und erfinderisch ergänzt.

Unter freiem Himmel spielten die Musiker am 11. August in Bochum. Das Bergbaumuseum hatte die chilenische Sängerin nach Deutschland eingeladen, passend zu einer aktuellen Ausstellung im Haus. Der Innenhof bot eine sehenswerte Kulisse mit einer kleinen Bühne im Innenhof des Museums, direkt unter den blassgrünen, eisernen Trägern des ehemaligen Förderturms.

Aus dem einzigen Konzert in Deutschland wurden für Pascuala Ilabaca und Band mehr als zwanzig Auftritte in Europa. Die professionellen Musiker begeisterten in Bochum durch eine einwandfreie, leichtfüßige Performance und einer Mischung aus emotionalen sowie ausgelassenen Momenten. Die Stücke stammten vorwiegend vom aktuellen Album „Diablo Rojo, Diablo Verde“. Neben den spanischen Stücken sang Pascuala auch einen Song in der Sprache der Mapuche, ein Teil der indigenen Bevölkerung Chiles: Mapudungun.

Würdest du sagen, dass deine chilenische Herkunft dich als Musikerin prägt?

Ja, klar. Meine Eltern sind Chilenen, alle meine Texte beziehen sich auf Chile und ich bin auch auf einer Art Mission, die chilenische Musik in die Welt zu tragen -aber so, dass sie aktuell klingt. Manchmal spielen chilenische Musiker Lieder aus den Anden und man hört die typischen Flöten. Manche Leute verbinden Chile auch mit den politischen Sängern, die in den 70er Jahren berühmt geworden sind. Aber es gibt ja auch in Chile moderne Musik und die junge Leute sprechen über andere Themen. Trotzdem bleibt es aber chilenisch und das möchte ich gerne vermitteln.

Du hast an verschiedenen Orten gelebt, aber deine Heimat ist seit einigen Jahren die Stadt Valparaíso. Wie lebt es sich dort?

Valparaíso ist eine arme Stadt mit einem großen Hafen. Sie ist reich an Kultur und Teile der Stadt sind UNESCO-Welterbe. In Valparaíso leben viele Künstler und dadurch ist es eine sehr offene Stadt. Ein bisschen wie Hamburg vielleicht, aber kleiner. Neben den Künstlern gibt es natürlich auch viele Fischer. Das heißt, die Männer sind auf dem Schiff unterwegs, während die Frauen auf dem Land bleiben und dort arbeiten. Einsamkeit ist deshalb ein großes Thema und es ist irgendwie ein nostalgischer Ort.

Worum geht es in deinen Texten?

Wir erzählen zum Beispiel von den Mapuche, der indigenen Bevölkerung Chiles. Sie kämpfen darum, ihr Land wiederzubekommen, das ihnen vor langer Zeit weggenommen wurde. Wir finden es wichtig darüber zu sprechen, wie auch über die Zerstörung der Natur. Wir beschäftigen uns damit, uns machen diese Dinge traurig oder glücklich, und deshalb werden daraus Songs. Aber natürlich geht es auch um Liebe oder wie wir die Welt sehen.

Welche chilenischen Traditionen finden ein Platz in eurer Musik?

Einige Songs haben traditionelle Rhythmen. Wir bedienen uns zum Beispiel der Cueca, einem chilenischen Tanz, oder dem Nortino, aus den Anden, im Norden Chiles. Die Musik wird dort auf den Karnevalsfesten gespielt. Wir beziehen uns mit unserer Musik also auf die vielen Volkfeste. Es gibt einen Song, der vom Karneval in San Lorenzo de Tarapacá erzählt, in einem anderen geht es um das Dorf Montegrande. Uns ist wichtig die Elemente aus Folklore und die Geschichten bestimmter Orte mit der aktuellen Kultur zu verbinden, also auch mit Drum ´n´ Bass oder Rockmusik.

Bezieht sich der Titel des Albums auch auf die Karnevalsfeste?

Ja, auf den Karnevalsfesten tanzen die Menschen und verkleiden sich als Teufel. Deswegen heißt mein Album „Roter Teufel, Grüner Teufel“. Was ich damit sagen will ist, wir alle können Teufel sein oder eben nicht. Es gibt immer zwei Seiten, wir sind zugleich gut und böse, oder eben rot und grün.

In Deutschland lernen Kinder oft in der Schule ein Musikinstrument oder gehen zur Musikschule. Wie ist das in Chile?

Auf der einen Seite lernen Kinder in der Familie Musik kennen. In jedem Haus gibt es eine Gitarre, auf jedem Fest gibt es jemanden, der singt. Auf der anderen Seite gibt es das Fach Musik in der Schule. Aber klar, die Schulen in Chile haben oft nicht viel Geld und daher auch nicht viele Musikinstrumente. Kinder lernen also in erster Linie Gitarre oder das Akkordeon, was ja ein typisches Instrument der Straße ist. Was man allerdings auch wissen muss: Das Musikstudium an den Universitäten ist das billigste Studium verglichen mit allen anderen Fächern. Die Universitäten wissen, dass Musiker nicht viel Geld verdienen, also können sie auch nicht viel für die Ausbildung verlangen.

Wie hast du die Musik für dich entdeckt?

Als ich sechs Jahre alt war, wollte ich gerne Klavier spielen lernen und meine Eltern haben mir den Wunsch nach Musikunterricht auch erfüllt. Meine Eltern sind Künstler, machen aber keine Musik. Mein Vater ist Maler und meine Mutter Glasmalerin. Aber sie hatten einige Freunde, die Musiker waren. Von ihnen habe ich viel gelernt und durfte auch mit ihnen mal bei einem Auftritt singen. Und dann habe ich an der Katholischen Universität von Valparaíso studiert und bin professionelle Musikerin geworden. Dort habe ich auch die Musiker meiner Band kennen gelernt. Mit dem Schlagzeuger bin ich seit sieben Jahren zusammen. Wir haben im Januar geheiratet.

In vielen Songs spielst du Akkordeon. Warum hast du dieses Instrument gelernt?

Das Akkordeon ist das Instrument der Volksmusik. Damit kann mal überall hinreisen und wird überall verstanden. Ich war damit in Mexiko, in Südamerika, in Indien. Das Instrument verbindet einen sofort, auch zum Beispiel mit den Menschen auf dem Land hier in Chile. Da spielen die Älteren in der Straße Akkordeon, das ist einfach Teil unseres Daseins. Ich war noch nicht - sagen wir mal - in Rumänien, aber ich weiß, mit dem Akkordeon könnte ich direkt die Herzen der Menschen erreichen. Deswegen gefällt es mir so.

Du hast im vergangenen Jahr in Chile einen wichtigen Musikpreis gewonnen und arbeitetest mit einen kleinen Musiklabel zusammen, das deine Musik mitfinanziert. Wie hat deine Karriere begonnen?

2008 habe ich eine CD als Hommage an die berühmte chilenische Sängerin Violeta Parra aufgenommen und durch diese CD konnte ich wichtige Konzerte spielen. Die damalige Präsidentin Chiles, Michelle Bachelet, hat mich eingeladen, mit ihr zu verschiedenen Veranstaltungen zu reisen, auch nach Indien, um Konzerte zu geben und chilenische Musik vorzustellen. Das waren die ersten wichtigen Momente in meiner Karriere als Sängerin. Wir waren damals zu dritt, Jaime am Schlagzeug und Christian mit der Gitarre. Wir haben das Album „Pascuala singt Violeta“ aufgenommen und sind als Teil eines Kulturprogramms der Regierung auf Tour gegangen.

Du hast für längere Zeit mit deinem Mann in Indien gelebt und dich musikalisch fortgebildet. Hat dich die Zeit dort verändert?

Ja. Mir ist klar geworden, dass das System uns vorspielt, wir wären alle sehr unterschiedlich. Es wird uns gesagt, du bist nicht so wie die Chinesen, du bist anders als die Deutschen, wir sind einfach alle sehr, sehr unterschiedlich und deswegen können wir auch nicht dasselbe denken und nicht miteinander leben. Aber das stimmt nicht. Unsere Kulturen haben Ähnlichkeiten. Als ich zum Himalaya gefahren bin, erinnerten mich die Menschen dort an die Menschen, die in den Anden leben. Sie denken ähnlich, haben ähnliche Traditionen und Kleidung. Mir ist klar geworden, dass wir miteinander gut auskommen, auch wenn dir andere Leute das Gegenteil erzählen möchten. Wir sind nicht alle unterschiedlich, wir sind uns alle ähnlich.

Autorin: Julia Mahncke