Bolivien |

Parlamentssitzung auf Quechua

Zum ersten Mal in der republikanischen Geschichte des Landes hat das Parlament des multikulturellen Andenlandes eine komplette Sitzung auf Quechua abgehalten. Anlass für die von lokalen Medien als »historisch« bezeichnete Debatte am Donnerstag war die Lesung zur Novelle des Sprachengesetzes. Gegenüber der staatlichen Tageszeitung »Cambio« erklärte Abgeordnete Rebeca Delgado von der regierenden »Bewegung zum Sozialismus« (MAS), der verabschiedete Entwurf Nr.668 setze die Vorgaben der neuen Magna Charta um.

Verfassungsartikel 5 erklärt die 36 indigenen Sprachen Boliviens neben Spanisch zu Landessprachen. »Dieses Vorhaben wurde von den sozialen Bewegungen durchgeführt«, erklärte Jorge Medinas, Vorsitzender der Kommission für Indigene Völker im Parlament. Das Gesetz erlaube die »Rettung von Sprachen die zu verschwinden drohen, und solche, die noch gesprochen werden«, sagte Medinas.

In Behörden, öffentlichen Institutionen, Schulen und Universitäten werde mit Verabschiedung des neuen Sprachengesetzes die »Lehre einer indigenen Sprache Pflicht«, erklärte Medinas. Kommende Woche soll über den endgültigen Text abgestimmt werden. Die Zweidrittel-Mehrheit der MAS lässt eine breite Zustimmung erwarten. (bb)