Peru |

Parlamentskandidaten mit Schönheitsfehler

In Peru sorgt ein neuer Skandal im Vorfeld der Wahlen für eine schlechte Presse. So haben Parlamentskandidaten der Partei, die die Tochter des ehemaligen Staatspräsidenten Alberto Fujimori ins Rennen um das höchste Amt im Staate schickt, den Wahlbehörden verheimlicht, Zielscheibe von Ermittlungen im Zusammenhang mit Drogenhandel und Geldwäsche zu sein.

Wie Journalisten herausfanden, gehören die insgesamt drei umstrittenen Parlamentsanwärter der Parteienallianz ´Fuerza 2011´ an, die Keiko Fujimori an die Macht bringen will. Ihr Vater, der von 1990 bis 2000 in Peru die Regierungsgeschäfte führte, sitzt derzeit eine langjährige Haftstrafe wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Korruption ab.

Die neuen Entdeckungen verhärten den bereits mehrfach geäußerten Verdacht, dass der sogenannte ´Fujimorismo´ beste Verbindungen zu Mitgliedern der Drogenmafia unterhielt. Einen ähnlichen Schluss lassen auch die von WikiLeaks veröffentlichten Geheimdokumente zur Rolle des US-amerikanischen Außenministeriums zu.

Jüngsten Meinungsumfragen zufolge steht Keiko Fujimori in der Wählergunst an zweiter Stelle. Da sie jedoch seit Januar in der Bevölkerung an Rückhalt verliert, ist fraglich, ob sie es angesichts der wachsenden Popularität ihres Herausforderers und Ex-Präsidenten Alejandro Toledo (2001-2006) in die zweite Wahlrunde am 5. Juni bringen wird.

Ethikkommission ignoriert

Keiko Fujimori und ihre Partei haben nicht auf den Ethikaufruf der staatlichen Kommission zur Bekämpfung des Drogenhandels reagiert. Er verpflichtet die Unterzeichner des Papiers dazu, bei der Auswahl ihrer Kandidaten besondere Sorgfalt walten zu lassen, um zu verhindern, dass sich Drogenhändler in die Parteien einschleichen.

Der erste in Verruf geratene Parlamentskandidat ist José ´Pepe´ Vásquez, ein bekannter afroperuanischer Musiker. Der Nachrichtensender ´Día D´ fand heraus, dass gegen den Sänger wegen seiner möglichen Beziehungen zu dem steckbrieflich gesuchten Drogenzar Augusto Arriaga ermittelt wird. Arriaga gilt als Kopf einer kolumbianisch-mexikanischen Mafia, die sich auf den Export von Kokain verlegt hat.

Keiko Fujimori wies die Enthüllungen zunächst als Versuch zurück, sie in Misskredit zu bringen, und engagierte für Vásquez den gleichen Anwalt, der schon ihren Vater verteidigt hatte. Als dann aber immer neue Hinweise für eine Arriaga-Vásquez-Verbindung auftauchten, sah sie sich gezwungen, den Musiker von ihrer Wahlliste zu streichen.

Nun ist die Tageszeitung ´La República´ auf zwei weitere Parlamentskandidaten der Fuerza 21 gestoßen, denen beste Beziehungen zu Drogenkartellen nachgesagt werden. Dabei handelt es sich um Karina Beteta und Juan Almonacid, beide aus dem zentralen Departement Huanuco, in dem Koka- und Kokain produziert werden.

Die Anwältin Beteta wird verdächtigt, ihren Schwager Luis Egoavil, der über ein langes Strafregister verfügt, bei der Verschleierung der illegalen Herkunft seiner Besitztümer geholfen zu haben.

Im Fall des Unternehmers Almonacid, Eigentümer einer Tourismustransportfirma, hat die Staatsanwaltschaft der Provinz Bolognesi im nördlichen Andendepartement Áncash ein Verfahren wegen Drogentransporte und Geldwäsche eingeleitet, nachdem in seinen Bussen und im Gepäck von Passagieren Rauschgift gefunden wurden.

Keiko Fujimori hat sich bisher nicht öffentlich zu den neuen Verdachtsmomenten geäußert. Auch die Wahlbehörden halten sich bedeckt. "So wie die Dinge liegen, sieht es ganz danach aus, als sei der Drogenhandel kein Thema, um das sich die Behörden Sorgen machen wollen", kritisiert die Leiterin des nichtstaatlichen Ethikrates Proética, Cecilia Blondet.

Autor: Ángel Páez in: IPS Weltblick