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Papst Pius III. veröffentlicht die Bulle "€žSublimis Deus"€?

Der Einsatz von Christen für die Menschenrechte in Lateinamerika reicht bis in die Anfänge der Mission zurück. Keine Frage, dass „die Kirche“ (was nichts anderes heißt als: „die“ Christen, zumal die an leitender Stelle) allzu oft auf Seiten der Unterdrücker stand. Weit häufiger aber stand „die Kirche“ auf Seiten der Indígenas. Sie schützte die angestammte Bevölkerung und verteidigte deren Recht und deren Rechte (nicht zuletzt auf ihr angestammtes Land) gegen die spanische oder die portugiesische Krone und vor allem gegen die Eroberer und die aus der Alten Welt einströmenden Siedler.

Ein Meilenstein dabei ist die Bulle von Papst Pius III. „Sublimis Deus“ vom 2. Juni 1537, die der Kirchenhistoriker Hans-Jürgen Prien einmal als die „Magna Charta des Völkerrechts“ bezeichnete. Die Bulle bestand auf der Freiheit der „Indianer“ und erklärte alle Versuche, sie zu versklaven, für ungesetzlich: „Alle Völker der Erde sind ihrer Natur nach wahre Menschen. Als solche genießen sie Freiheit und ihren Besitz und können erlaubterweise nicht dessen beraubt und zu Sklaven gemacht werden.“ Den Indígenas stand infolge ihrer Freiheit vor Gott und dem Gesetz auch das Recht zu, sich taufen zu lassen. Die Bulle hielt die Missionare an, die Indígenas „durch Predigt und gutes Beispiel zum christlichen Glauben einzuladen“.

Den spanischen Eroberern der Neuen Welt ging solche Brüderlichkeit unter den Kindern Gottes entschieden zu weit. Allzu oft gelang es ihnen, die Bestimmungen der Bulle zu unterlaufen. Denn Rom war weit. Wenn die Bulle „Sublimis Deus“, wie auch viele andere päpstliche Verfügungen in späterer Zeit, immer wieder missachtet wurde, so blieb sie doch jener Anker, an dem die Missionare ihren Kampf zur Verteidigung der Menschenrechte der Indígenas festmachen konnten. (mh)