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Papst Franziskus: Proteste in Einklang mit Evangelium

Der spanischen Tageszeitung „El País“ zufolge wird Papst Franziskus in seiner Ansprache auf dem Weltjugendtag in Rio de Janeiro am 22. Juli auch Bezug auf die aktuellen Proteste in Brasilien nehmen. Der Papst halte diese für gerecht und in Einklang mit dem Evangelium stehend. Für die Begegnung am 22. Juli werden über eine Million junger Menschen erwartet.

Papst Franziskus wurde in den vergangenen Wochen aus erster Hand über die Demonstrationen in dem Land mit der weltweit größten katholischen Bevölkerung informiert (in Lateinamerika insgesamt leben mehr als 40 Prozent der 1,2 Milliarden Katholiken). Drei brasilianische Bischöfe schilderten Franziskus im persönlichen Gespräch im Vatikan, was derzeit in Brasilien geschehe. Die ansonsten üblichen diplomatischen Kanäle seien angesichts des Ausmaßes der Proteste außen vor geblieben.

Text für Ansprache auf Weltjugendtag aktualisiert

Erster Gesprächspartner war der Erzbischof von Rio de Janeiro, Orani João Tempesta, dessen Erzdiözese Gastgeber des Weltjugendtages ist. Ebenfalls nach Rom geflogen sei Cláudio Hummes, der ehemalige Erzbischof von São Paulo, bekannt für sein soziales Engagement. In der vergangenen Woche schließlich habe der Vorsitzende der brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB), Kardinal Raymundo Damasceno, mit Franziskus gesprochen. „El País“ zufolge hatte der Papst den Text für seine Ansprache bereits geschrieben und sie dann teilweise neu geschrieben, um auf die aktuelle Situation einzugehen.

Die CNBB hatte sich am 21. Juni in einem Dokument mit den zu einem großen Teil jungen Demonstranten solidarisch erklärt und die Proteste unterstützt, solange diese friedlich abliefen. Richtigerweise prangerten die Demonstranten die in Brasilien weit verbreitete Korruption, die Straflosigkeit und die mangelnde Transparenz der Politik an. Zu den Übeln zähle aber auch die Gewalt gegen junge Brasilianer. Eine Lösung der Probleme sei nur möglich, wenn das gesamte Volk daran beteiligt werde. Insofern laute die Losung der Demonstranten nicht zufällig: „Der Riese ist aufgewacht.“ Nun möge der Aufschrei des Volkes gehört werden. (bs)