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Papst beendet Lateinamerika-Reise - Ruf nach Freiheit für Kuba

Papst Benedikt XVI. hat seine sechstägige Lateinamerika-Reise nach Mexiko und Kuba beendet. Gut einen halbe Stunde nach Mitternacht deutscher Zeit hob die Boeing 777 der Alitalia vom Flughafen Havanna Richtung Rom ab.

Zum Abschluss seines Kuba-Aufenthaltes forderte Benedikt XVI. erneut mehr Freiheiten für die katholische Kirche. Diese Freiheit würde den Christen ermöglichen, einen Beitrag zum Aufbau der Gesellschaft, zu Frieden und zu harmonischer Entwicklung zu leisten, sagte der Papst am Mittwoch (Ortszeit) bei einer Messe mit mehreren hunderttausend Menschen auf dem Platz der Revolution in Havanna. "Kuba und die Welt brauchen Veränderungen", rief der Papst im Beisein von Staatspräsident Raul Castro. Die werde es aber nur geben, wenn sich Menschen frei dazu entschließen könnten, Versöhnung und Brüderlichkeit zu leben.

Nach der Messe traf Benedikt XVI. mit dem früheren Staatschef Fidel Castro zusammen. Die rund 30-minütige Unterredung in der Apostolischen Nuntiatur in Havanna sei "herzlich, lebendig und intensiv" gewesen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Der Revolutionsführer hatte selbst den Wunsch geäußert, mit Benedikt XVI. zusammenzutreffen, und ihn gebeten, ihm einige Minuten seiner Zeit zu widmen.

Der Papst habe gegenüber Castro seine "große Zufriedenheit" über die Reise und seinen Empfang auf Kuba geäußert, berichtete der Vatikansprecher. Castro habe Benedikt XVI. nach der Lage der Kirche gefragt und sich nach den Aufgaben eines Papstes erkundigt und das Kirchenoberhaupt gebeten, ihm interessante Bücher über die angesprochenen Themen zuzuschicken.

Am Dienstagabend (Ortszeit) hatte der Papst einen Höflichkeitsbesuch beim amtierenden Präsidenten Raul Castro im Palast der Revolution abgestattet. Während einer gut 40-minütigen Unterredung äußerte er den Wunsch der Kirche, sich mehr in der kubanischen Gesellschaft engagieren zu können. Das Thema der politischen Gefangenen auf Kuba, das Menschenrechtsorganisationen immer wieder angemahnt hatten, blieb nach Worten Lombardis ausgeklammert. Mit humanitären Interventionen zugunsten inhaftierter Oppositioneller hätten sich die Delegationen auf Regierungsebene befasst.

Seine 23. Auslandsreise hatte Benedikt XVI. am vergangenen Freitag in Mexiko begonnen. Dort hatte Benedikt XVI. zur Erneuerung des katholischen Glaubens in Lateinamerika aufgerufen. Bei einer Messe mit mehreren hunderttausend Menschen im zentralmexikanischen Leon wandte er sich gegen ein oberflächliches und gewohnheitsmäßiges Christentum. Auch betete er für die Opfer von Gewalt und Armut in dem von Drogenkriegen und Auswanderung geprägten Land. Der Freiluftgottesdienst war die größte Veranstaltung der Reise. (KNA)