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Osnabrück: „Wir haben verlernt, uns zu empören“

Padre Serrano (rechts) setzt sich für mehr Bildungsgerechtigkeit in der Dominikanischen Republik ein. Foto: Carolin Kronenburg
Padre Serrano (rechts) setzt sich für mehr Bildungsgerechtigkeit in der Dominikanischen Republik ein. Foto: Carolin Kronenburg

„Bildung nur für Reiche?“ Mit dieser Frage hatten der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und das Bistum Osnabrück zur Diskussion eingeladen. Rund 25 interessierte Teilnehmer trafen sich am Freitagabend, den 29. November, im Osnabrücker Priesterseminar, um über Bildungsgerechtigkeit in Lateinamerika und Deutschland zu sprechen. Michael Franke, Jugendpfarrer und BDKJ-Präses, Karin Schuld, Fachreferentin für das Thema „Soziale Gerechtigkeit“ beim BDKJ, und Regina Wildgruber, Bischöfliche Beauftragte für die Weltkirche im Bistum Osnabrück, führten durch den Abend.

 

Zwei Gäste der Adveniat-Jahresaktion 2013 berichteten von ihren Projekten: Pamela del Carmen Tripailaf Lefio aus Chile und Padre Mario Serrano aus Nicaragua. Pamela del Carmen ist Lehrerin einer Dorfschule in Südchile. Ihre Schüler gehören wie sie selbst dem indigenen Volk der Mapuche an. Die Lehrerin bringt ihnen neben Spanisch auch ihre Stammessprache und Kultur bei, die viele nicht mehr kennen. So erlangten die Kinder und Jugendlichen wieder mehr Selbstbewusstsein als Mapuche, sagte Pamela del Carmen. Ihr Volk werde noch immer diskriminiert und unterdrückt: „Das Problem in unserem Land ist, dass viele Chilenen nicht wissen, dass wir Mapuche existieren.“

 

Padre Mario Serrano leitet das katholische Bildungszentrum „Centro Bonó“ in Santo Domingo. Von dort aus starten zahlreiche Aktionen mit dem Ziel, einen politischen und sozialen Wandel in Gang zu setzen. So auch eine bundesweite Kampagne, die vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes für die Bildung fordert. Mit dabei sind auch viele junge Menschen. „Jugendliche wollen mit ihren Mitteln für mehr Gerechtigkeit kämpfen“, sagte Padre Serrano. „Wir Erwachsene müssen dafür sorgen, dass ihre Energie nicht verpufft und ihr Einsatz sich lohnt.“

 

„Obwohl wir ein reiches Land sind, ist Bildung hier nur für Reiche“

 

Bei den angeregten Gesprächen stellte sich schnell heraus, dass es nicht nur in Lateinamerika, sondern auch in Deutschland Ungerechtigkeit im Bildungssystem gibt. „Obwohl wir ein reiches Land sind, ist Bildung hier nur für Reiche“, sagte Carmen Guerra vom Caritas Diözesanverband Osnabrück. Daraufhin fragte Heiner Ganser-Kerperin, Leiter der Bildungsabteilung bei Adveniat, die Jugendlichen: „Wie kann die Solidarität mit den Armen auch bei uns umgesetzt werden?“ Aufklärung und Sensibilisierung seien wichtig und „nicht nur über die Menschen reden, sondern mit ihnen“ lauteten die Antworten der Jugendlichen. „Unsere Gesellschaft hat verlernt, sich zu empören“, resümierte der stellvertretende Geschäftsführer von Adveniat, Stephan Jentgens.

 

Mit einem kurzen Gebet in der Hauskapelle endete der intensive Abend. „Wenn wir unsere Meinungen und Erfahrungen miteinander teilen, werden wir reich beschenkt“, sagte Jugendseelsorger Michael Franke abschließend. Der Workshop gehört zum Programm der Adveniat-Jahresaktion 2013, die am 1. Advent bundesweit eröffnet wird. Unter dem Motto „Hunger nach Bildung“ stellt Adveniat kirchliche Bildungsinitiativen in den Blickpunkt, denn Bildung ist langfristig ein wirksamer Schlüssel gegen Armut. Mehr über die Adveniat-Jahresaktion 2013 unter dem Motto „Hunger nach Bildung“ gibt es hier. (Text: Christina Weise)