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Osnabrück: Vorbild sein für andere

Wortgottesdienstleiter Lorenzo Aguilar aus Honduras in Osnabrück
Wortgottesdienstleiter Lorenzo Aguilar aus Honduras in Osnabrück

„Danos un corazón, grande para amar“ „Schenke uns ein großes Herz, um zu lieben“: Mit einem Lied hat Lorenzo Aguilar aus Honduras seinen Vortrag an der Universität Osnabrück am 22. Mai 2012 begonnen. Denn Musik spielt eine große Rolle bei der Arbeit seiner Schüler. Lorenzo Aguilar ist Koordinator der Ausbildung von Wortgottesdienstleiterinnen und -leitern im Süden seines Heimatlandes und selbst einer dieser so genannten „Delegados de la Palabra“. Auf Einladung des Lateinamerikahilfswerkes Adveniat berichtete er 40 Studentinnen und Studenten des Fachs Katholische Religion über seine Arbeit.

Wie sich das Amt der Wortgottesdienstleiter seit Mitte 1950er Jahre in Honduras entwickelt hat, ist weltkirchlich einmalig. In dem sieben Millionen Einwohner zählenden Land gibt es heute etwa 440 Priester und rund 17.000 Delegados. Ohne ihre tatkräftige Mitarbeit wäre kirchliches Leben ärmer. Das hat auch Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dort, wo es an Priestern mangelt, übernehmen Laien oft die Verantwortung für eine Gemeinde vom Wortgottesdienst und der Seelsorge bis hin zur Netzwerkarbeit und praktischen Hilfen. Der Dienst der Laien vollzieht sich dabei im Team mit Priestern und Ordensleuten, und er nimmt die ganze Pastoral in den Blick: Liturgie, Verkündigung und diakonischer Dienst sind gleichsam wichtig. In El Salvador werden Laien daher in der „Pastoral de derechos humanos“, der Menschenrechtspastoral, geschult, in Honduras in der Gesundheitspastoral und der Sozialpastoral.

Durften zu Beginn der Arbeit in Honduras ausschließlich Männer Delegados werden, können seit 1999 auch Frauen diese Arbeit übernehmen. Heute seien 30 Prozent der 17.000 Wortgottesdienstleiter in Honduras weiblich. „In der Diözese Choluteca gibt es 1.474 Delegados für 655 Gemeinden“, sagte Lorenzo Aguilar. Es gibt 22 Diözesanpriester und 6 Ordenspriester für das Bistum, das doppelt so groß ist wie das Saarland.

Heute habe sich die Situation vieler Menschen in Honduras durch die Delegados stark verbessert. „Sie haben gelernt, dass sie sich selbst helfen und aus der Armut befreien können“, sagte Lorenzo Aguilar. Die Zahl der Wortgottesdienstleiter wächst weiter. Und der Stolz darauf war Lorenzo Aguilar anzumerken.

Somit sprach der Delegado in seinem Vortrag Aspekte an, mit denen sich die Studentinnen und Studenten in Osnabrück während des Sommersemesters befassen. Unter der Leitung von Dr. Margit Eckholt, Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie, nähern sie sich der Frage, wie das Glaubensbekenntnis in der Kirche entstand und wie der Glaube weitergetragen wird. Umso interessanter für sie zu hören, wie das in anderen Ländern und Kontinenten erfolgreich funktioniert. Margit Eckholt verglich die Entwicklung für die Menschen in Honduras mit dem Eingangs gesungenen Lied: „Es sind Menschen, die nach Wahrheit streben und Freiheit fordern.“