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Organisierte Kriminalität gefährdet Journalisten

Organisierte Kriminalität ist mittlerweile eine der größten Gefahren für Journalisten und Medien: weltweit sind zwischen 2000 und 2010 insgesamt 141 Journalisten ermordet worden, die sich in ihrer Arbeit mit dem Einfluss und den Machenschaften krimineller Gruppen beschäftigt haben. Diese Bilanz zieht Reporter ohne Grenzen (ROG) in einem gestern veröffentlichten Bericht zum Thema Organisierte Kriminalität und Pressefreiheit. „Mehr Journalisten kommen durch die Gewalt krimineller Gruppen ums Leben als durch die Gewalt diktatorischer Regimes“, heißt es in dem zehnseitigen Bericht. Diese Entwicklung zeichne sich seit Ende des Kalten Krieges ab.

Die höchste Zahl an Todesopfern unter Journalisten durch kriminelle Gewalt zählt ROG in Mexiko und auf den Philippinen. 69 Journalisten, die seit dem Jahr 2000 in Mexiko ermordet wurden, gehen auf das Konto der Drogenkartelle. Seit 2003 werden elf Reporter in dem mittelamerikanischen Land vermisst.

Undurchsichtige kriminelle Strukturen erschweren Berichterstattung

Organisierte Kriminalität ist nicht nur die größte körperliche Bedrohung für Medienvertreter. Die häufig undurchsichtigen kriminellen Strukturen stellten auch höchste Anforderungen an Berichterstatter, so ROG. "Es ist eine mächtige Parallelwirtschaft mit enormen Einfluss auf die legale Wirtschaft - eine, über die es für Medien höchst schwierig ist, zu berichten", so ROG in seiner jüngsten Publikation.

Oft oberflächliche Recherche

Aufgrund des hohen Rechercheaufwands und der mit der Berichterstattung verbundenen Gefahren beschäftigten sich viele Journalisten nur oberflächlich mit dem Phänomen der Organisierten Kriminalität, fand ROG heraus. „Tiefer gehende Berichte erscheinen in einigen Ländern erst, wenn ein krimineller Skandal auffliegt und die Polizei tätig geworden ist oder Chefs krimineller Banden gefasst worden sind.“

Zu wenig Schutz für Journalisten

In den von struktureller krimineller Gewalt betroffenen Ländern habe kaum eine der Regierungen ausreichende Maßnahmen für den Schutz von Journalisten vor krimineller Gewalt ergriffen, kritisiert ROG und plädiert für verstärkte Selbsthilfemaßnahmen von Medien und Journalisten: Medienmitarbeiter, die in einer Konfliktzone arbeiten, sollten sich zusammentun und einen gemeinsamen Pool für Informationen und Quellen gründen. Redaktionen, Journalistenschulen und Universitäten sollten spezifische Kurse zur Recherche und Berichterstattung über Organisierte Kriminalität anbieten.

Quelle: ROG