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Ordensfrau in Argentinien prangert Kindesmissbrauch an

In einem offenen Brief an den Gouverneur der nordargentinischen Provinz Formosa, Gildo Insfrán, hat Argentiniens bekannteste Ordensfrau, Martha Pelloni, die weit verbreitete Ausbeutung und den Missbrauch von Kindern sowie Drogen- und Organhandel in der Grenzregion zu Paraguay angeprangert. Kinder und Jugendliche würden sexuell missbraucht und als „Sklaven“ und „Lastesel“ eingesetzt. Die Behörden schauten tatenlos zu. Aus Angst vor Repressionen und Arbeitsplatzverlust traue sich die Bevölkerung vor Ort nicht, den illegalen Handel anzuprangern.

„Ihre Regierung hat die Korruption institutionalisiert, die jeden Versuch der Demokratisierung und der Sicherstellung eines intakten Zusammenlebens der Bürger zerstört“, schreibt Pelloni, Adveniat-Projektpartnerin und Beauftragte des „Netzwerks Gestohlene Kinder“. „Nach so vielen Jahren im Amt haben Sie die Freiheit der Menschen in Formosa getötet, und zwar mit den hinterhältigsten und feigsten Waffen, die sich verwenden lassen: mit der Lüge und der Drohung.“ Gildo Insfrán regiert die Provinz Formosa seit 1995.

„Martha Pelloni ist in Argentinien seit 1990 für ihre Unerschrockenheit und ihren Einsatz für die Menschenrechte berühmt“, so Michael Kuhnert, Adveniat-Länderreferent für Argentinien. „Nach der Vergewaltigung und Ermordung einer Schülerin in der Provinz Catamarca durch Söhne des politischen Establishments organisierte sie jahrelang Schweigemärsche, um durch den Druck der Öffentlichkeit Strafverfolgung zu erwirken. Dank der Beharrlichkeit und des Mutes von Schwester Pelloni, erreichte sie nach Jahren der Anfeindungen 1998 die Verurteilung der beiden Mörder. Es ist ein offenes Geheimnis in Argentinien, dass der Hauptschuldige, Sohn eines Angeordneten der Nationalversammlung, vom damaligen Gouverneur der Provinz Catamarca und vom Staatspräsidenten Meném gedeckt worden war.“

Link zum Offenen Brief auf blickpunkt-lateinamerika.de