Kolumbien |

"€?Operation Sodom"€?: Ende für Rebellenchef Mono Jojoy

Die Nachricht kam im richtigen Moment: gerade erst hatte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos auf dem UN-Milleniumsgipfel in New York sein Land in den höchsten Tönen gepriesen, da vermeldeten die Medien den Tod des Rebellenführers Jorge Briceño alias “Mono Jojoy”. Der 57-jährige Militärchef der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) starb nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in der Nacht zum Donnerstag bei der Bombardierung seines Basislagers in den Bergen der zentralkolumbianischen Provinz Meta. 20 weitere Rebellen kamen bei der “Operation Sodom”, die von 30 Flugzeugen, 26 Hubschraubern und von Bodentruppen unterstützt wurde, ums Leben. In dem Lager fanden die Streitkräfte einen Betonbunker und ein ausgeklügeltes Tunnelsystem vor, das den Rebellen Fluchtwege bot.

Santos: "Unser Willkommensgruss an die Farc"

“Das Symbol des Terrors ist gefallen”, sagte Santos. “Das ist unser Willkommensgruss an die Farc”, betonte der Staatschef, der im August sein Amt angetreten hat. Die Guerilla hatte versucht, ihn durch eine Offensive an den Verhandlungstisch zu zwingen. Erneut betonte Santos, Verhandlungen kämen nur in Frage, wenn die Guerilla auf “Terroraktionen” verzichte.

Dies ist ein weiterer harter Schlag gegen die Farc, die in den vergangenen Jahren bei Militäroperationen oder durch Desertation ihre wichtigsten Führungsfiguren verloren haben. Die US-Regierung und der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Jose Miguel Insulza, beglückwünschten Santos zu dieser “ausserordentlichen Leistung”. Dieser Erfolg zeige, dass die Strategie der US-Militärhilfe für Kolumbien richtig war, betonte ein Sprecher des Weissen Hauses in Washington. Der Weg für die Farc verenge sich zusehends, erklärte seinerseits Insulza.

Rebellenführer galt als brutaler Hardliner

“Mono Jojoy” hatte nach dem natürlichen Tod des legendären Farc-Gründers Manuel Marulanda die militärische Führung der ältesten Guerilla Lateinamerikas übernommen und galt als brutaler Hardliner, der in der Konfrontation den richtigen Weg sah, die Ziele der Rebellengruppe durchzusetzen. Insidern zufolge kam es deshalb zu Spannungen mit dem politischen Anführer, Alfonso Cano, der Santos Gespräche angeboten hat. Für Cano entfällt nun zwar ein interner Rivale, aber auch der militärisch brillanteste Kopf der Rebellengruppe und eine unumstrittene Führungsfigur. Verteidigungsminister Rodrigo Rivera rief Cano dazu auf, sich zu ergeben.

“Die Struktur der wichtigsten Front der Farc ist angeschlagen”, sagte der Militärexperte Leon Valencia. Die aus Militärkreisen gefilterte Information, dass Briceño von seinen eigenen Leuten verraten wurde, dürfte innerhalb der Farc zudem Misstrauen streuen und die in den vergangenen Jahren ohnehin schon geschwächte interne Kommunikation und zentrale Führung erschweren.

Noch 8.000 FARC-Kämpfer

Die Schwächung der Farc zusammen mit der unter Santos Vorgänger Alvaro Uribe vorgenommenen Demobilisierung der paramilitärischen Gruppen hat einen Grossteil des Gewaltpotenzials in dem Bürgerkriegsland entschärft. Es wäre nach Ansicht von Ex-Präsident Ernesto Samper freilich ein Fehler, vom Ende der Farc zu sprechen und die verbliebenen bewaffneten Gruppen zu unterschätzen, die sich mittlerweile vor allem aus dem Drogenhandel finanzieren. Eine Auffassung, die auch Experten wie die International Crisis Group und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilen, die in den vergangenen Monaten eine Neuorganisation der bewaffneten Gruppen registriert haben.

Die Farc haben sich vor 46 Jahren erhoben, um eine Bodenreform und politische und wirtschaftliche Änderungen zu erzwingen. In den 90er Jahren zählten sie bis zu 15.000 Kämpfer, inzwischen sind es nach Angaben des Verteidigungsministeriums noch 8000.

Autorin: Sandra Weiss