|

Oikocredit warnt vor Missständen bei Kleinstkrediten

Die internationale ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit hat im vergangenen Jahr 481 Millionen Euro für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit durch Kleinstkredite bereitgestellt. Das entsprach einem Zuwachs von 87 Millionen Euro oder 22 Prozent im Vergleich zu 2009, wie Oikocredit am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Durch Neuanlagen kamen in den vergangenen zwölf Monaten 64 Millionen Euro neu hinzu, wovon etwa 34 Millionen von den insgesamt 19.000 deutschen Anlegern stammten. Partnerprojekte gibt es weltweit in rund 70 Staaten.

Die Geschäftsführerin von Oikocredit Baden-Württemberg, Manuela Waitzmann, verwies zugleich auf Risiken und Probleme der Mikrofinanzierung als Instrument der Entwicklungszusammenarbeit. In den vergangenen Jahren sei der Markt für diese Kreditform stark gewachsen, und nicht alle Akteure legten genügend Augenmerk auf die soziale und entwicklungspolitische Zielsetzung der Kreditvergaben. "Es gibt auch Organisationen, die ohne sozialen Anspruch schlicht Geld verdienen wollen", so Waitzmann. Folge sei dann beispielsweise die unverantwortliche Vergabe von mehreren Parallelkrediten an Personen, die diese dann nicht mehr zurückzahlen könnten.

Für Oikocredit betonte Waitzmann, dass es nur eine Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort gebe, deren entwicklungspolitische Zielsetzung feststehe und ständig kontrolliert werde. Zentral sei es, dass die vergebenen Kredite tatsächlich den Armen dienten. Wichtig sei künftig, dass der gesamte Bereich der Mikrofinanzierung transparenter werde und es eine unabhängige Kontrolle gebe, die verhindere, dass Arme durch Mehrfachkredite in die Überschuldung getrieben würden.

Oikocredit finanziert und berät Mikrofinanz-Institutionen, Genossenschaften und kleinere Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Durch die Vergabe von Kleinstkrediten sollen Menschen, die wegen geringen Einkommens von regulären Banken keine Kredite bekommen, die Chance zum Aufbau einer tragfähigen Existenz erhalten.

 

Quelle: kna