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Obdachloser wegen Juni-Ausschreitungen verurteilt

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen am Rande der Massenproteste im Juni hat ein Gericht in Rio de Janeiro ein erstes Urteil gefällt. Ein Obdachloser wurde zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, wie brasilianische Zeitungen (Mittwoch Ortszeit) berichten. Der Mann soll einen Brandanschlag auf die Polizei und öffentliche Gebäude geplant haben, so das Gericht. Menschenrechtsgruppen hatten sich für die Freilassung des Mannes eingesetzt; der 26-Jährige habe statt eines Molotow-Cocktails lediglich Putzmittel bei sich geführt.

Der auf den Straßen im Stadtzentrum Rios lebende Mann war den Berichten zufolge am Rande einer Demonstration festgenommen worden, nachdem die Polizei eine Flasche mit Ethanol-Alkohol in seinem Besitz fand. Das Gericht hielt es nun für erwiesen, dass er daraus einen Molotow-Cocktail herstellen wollte. Der Mann beteuert, an Straßenkreuzungen mit dem Putzmittel die Windschutzscheiben von Autos zu reinigen. Neben der Ethanol-Flasche seien auch eine Bürste und eine weitere Flasche mit Reinigungsflüssigkeit sichergestellt worden. Gegen den Mann spreche, dass er bereits zweimal von der Polizei wegen Diebstahls festgenommen worden sei, so das Gericht.

Die Menschenrechtsorganisation "Justica Global" (Globale Gerechtigkeit) hat nach eigenen Angaben bereits einen Bericht über den Fall an den Gerichtshof für Menschenrechtsfragen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) weitergeleitet.

Im Juni war es am Rande des FIFA-Konföderationen-Cups in dem südamerikanischen Land zu Protesten gekommen. Es wurden soziale Verbesserungen und mehr Mitsprache der Bürger gefordert. Mehrfach kam es landesweit zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen Polizisten sowie öffentliche Gebäude teils mit Molotow-Cocktails attackiert wurden.

Quelle: KNA.