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OAS besorgt über Zustände in überfülltem Gefängnis

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hat Brasiliens Regierung aufgefordert, den unhaltbaren Zuständen im Gefängnis Aníbal Bruno in Recife, der Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaates Pernambuco, ein Ende zu setzen. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission der OAS fordert Maßnahmen, um Gesundheit und Leben der Insassen zu schützen. Es handelt sich um eins der größten Gefängnisse in ganz Lateinamerika. Auf einer für 1.448 Personen ausgelegten Fläche werden rund 4.800 Gefangene zusammengepfercht – in Brasilien kein Einzelfall.

Regierung muss Frist einhalten

Immer wieder prangern Gefängnispastoralen und Menschenrechtsorganisationen die Missstände an, die in den Strafanstalten des Landes herrschen. Sie hatten sich kürzlich an die OAS gewandt, um den Druck auf Brasiliens Regierung zu erhöhen. Dieser wird nun bis zum 24. August Zeit gegeben, Informationen über die Einleitung von geeigneten Maßnahmen vorzulegen.

Ansteckende Krankheiten können sich ausbreiten

Im Gefängnis Aníbal Bruno wurden seit 2008 mindestens 52 gewaltsame Todesfälle verzeichnet. Eine Rebellion im Juli kostete zwei Gefangene das Leben, zahlreiche Verletzte waren zu beklagen. Menschenrechtsorganisationen berichten von Folterspuren an Körpern von Gefangenen, auch von gebrochenen Knochen. Schwer kranke Insassen und Träger ansteckender Krankheiten erhielten nicht die notwenige medizinische Versorgung - in diesem Zusammenhang wirkt sich die Überfüllung der Anstalt noch verschärfend aus.

Schwerkriminelle als Aufseher eingesetzt

Außerdem setze die Gefängnisleitung bestimmte Gefangene dazu ein, ihre Mitgefangenen zu überwachen. In vielen Fällen soll es sich um Angehörige von Killerkommandos aus Pernambuco handeln. Die OAS fordert daher auch, das Sicherheitspersonal im Gefängnis Aníbal Bruno aufzustocken, um nicht finsteren Gestalten die Aufrechterhaltung der Ordnung mit anzuvertrauen. (bs)