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Nüsse mit Zukunft

Ein Projekt zur Wiederaufforstung der Dominikanischen Republik nach dem verheerenden Wirbelsturm David vor 32 Jahren ist zu einer Geschäftsidee ausgereift, die vielen Kaffeebauern des karibischen Inselstaates den Weg aus der Armut weist.

Als der heftige Hurrikan 1979 über die Insel Hispaniola hinwegfegte, hinterließ er eine Spur der Verwüstung. Allein in der Dominikanischen Republik, die sich das Eiland mit Haiti teilt, starben 2.000 Menschen, und 70 Prozent der Agrarfläche wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Im Jahr darauf entschloss sich der lokale Geschäftsmann Manuel Arcenio Urena, einen Beitrag zum Wiederaufbau seines Landes zu leisten. Nach Rücksprache mit der Umweltgruppe 'Plan Sierra' führte er australische Macadamiabäume ein, deren dichtes Wurzelsystem die Erosion der Böden verhindert.

15 Jahre lang wuchsen die Bäume vor sich hin. Sie produzierten zwar Nüsse, die jedoch aufgrund ihrer extrem harten Schale von der Bevölkerung nicht sonderlich geschätzt wurden. Da die Bauern den Macadamiahölzern keinen Nutzwert zuwiesen, wurden sie gefällt und verfeuert.

Speiseeis für Gourmets

Doch Jesus Moreno, der Gründer der Eiscremefirma 'Helados Bon', stellte aus den Nüssen ein Speiseeis für Feinschmecker her. Später verkaufte er die weltweit als 'Königin der Nüsse' geschätzte Frucht geschält und abgepackt unter dem Handelsnamen 'La Loma'. Heute sind die Nüsse in dominikanischen Delikatessen- und Touristenläden zu haben.

Doch Moreno erkannte rasch, dass der Baum von der Pflanzengattung aus der Familie der Silbergewächse noch mehr für das Land tun konnte. So begann er damit, Kaffeebauern die Idee schmackhaft zu machen, die flachwurzelnden Bäume auf ihren Feldern zu ziehen. Und er versprach, ihnen die Nüsse später für gutes Geld abzukaufen. Ausgewachsene Bäume tragen jährlich 40 Kilo Früchte.

Edison Santos, der Manager des La Loma-Projekt, kutschiert den Firmenlaster hügelauf und hügelab in die kleine Ortschaft Bona eine Autostunde von der Hauptstadt Santo Donmngo entfernt. Die Begeisterung, mit der er über die Bäume spricht, erweckt den Eindruck, als habe er Gold entdeckt.

"Wir haben einen Businessplan für nachhaltige Landwirtschaft erstellt", berichtet er stolz. "Zwei Jahre lang hegen wir die Setzlinge in Baumschulen. Dann liefern wir sie an die Kaffeebauern aus, die sie aufziehen. Nach vier Jahren tragen die Bäume ihre ersten Früchte - vier Pfund das Jahr -, die wir den Bauern abkaufen. Wir zahlen derzeit 2,70 US-Dollar das Kilo."

Große Gewinnmargen

Auf einem ein Hektar großen Grundstück können gut 200 Macadamiabäume wachsen. Sind sie ausgewachsen, generieren sie zusammen Einkünfte im Wert von bis zu 21.000 Dollar. Sie brauchen keine intensive Pflege. Sie müssen lediglich alle sechs Monate gedüngt und vor Ratten geschützt werden, die verrückt nach den Nüssen sind. Die Bäume selbst tragen rund 100 Jahre Früchte.

Für einige Bauern hat sich das Geschäft mit den kleinen Exoten ausgezahlt. So auch für Servio Martinez, der in den letzten zwölf Jahren 250 Bäume gepflanzt hat. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Projekt", sagt er. "Das sage ich auch allen, die mich fragen. Denn eins ist schon mal sicher: Ich baue ein Produkt an, das eine Zukunft hat." Martinez hat im letzten Jahr 8.000 Dollar an den Nüssen verdient, obwohl noch nicht alle Bäume Früchte tragen.

Schneeballeffekt

Das La Loma-Projekt wird mit internationalen Hilfsgeldern finanziert. Deshalb müssen die Bauern für die Anschaffung der Setzlinge und für die technische Unterstützung zunächst nichts bezahlen. erst wenn die Bäume die ersten Früchte tragen, beginnen die Bauern mit der Rückzahlung. Das frische Geld wird dazu verwendet, das Projekt auf andere Bauern auszuweiten.

Um dem Ganzen aber noch mehr Nachhaltigkeit zu verleihen, hat sich Santos noch etwas Neues ausgedacht: Er verkauft kleine Macadamiabäume aus Plastik an Touristen und macht sie somit zu Sponsoren des Projektes. Und auch die Hotels werden in das Projekt einbezogen. sie leisten ihren Obolus, indem sie die dekorativen Nussschalen in großen Mengen bestellen, um sie als Kiesersatz auszustreuen.

Elizabeth Eames Roebling, IPS Weltblick