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Niebel fordert Stopp für Biosprit

Mit Blick auf weltweit steigende Getreidepreise und eine drohende Hungerkrise in Entwicklungsländern hat Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) einen Verkaufsstopp für den Biosprit E10 in Deutschland gefordert. Es handele sich um einen "Konflikt zwischen Tank und Teller, und gerade bei steigenden Lebensmittelpreisen kann Biosprit zu stärkerem Hunger in der Welt beitragen", sagte der Minister am Mittwoch dem Fernsehsender n-tv.

Die Beimischungspflicht der rot-grünen Bundesregierung führe im Endeffekt dazu, dass Menschen zu wenig Nahrung haben, fügte Niebel hinzu. "Insbesondere, wo E10 in Deutschland sowieso nie akzeptiert worden ist, muss man überdenken, ob das der richtige Weg ist. Und solange man denkt, sollte man E10 aussetzen." Konkret schlug Niebel vor, nur noch die Restprodukte der Pflanzen für die Biospritproduktion zu nutzen. Die Feldfrüchte müssten der Ernährung vorbehalten sein.

Sojaanbau nimmt Indigenen Lebensgrundlage

Der Bonner Agrarwissenschaftler Joachim von Braun forderte internationale Maßnahmen gegen Hunger. Es brauche eine Globale Getreidebank als Rettungsschirm für die Armen, sagte der Wissenschaftler vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin. Zudem plädierte er für mehr Investitionen in die kleinbäuerliche Landwirtschaft der Entwicklungsländer sowie für mehr Agrarforschung zur Bewältigung des Klimawandels.

In Lateinamerika hat der Sojaanbau für die Biospritproduktion vor allem auf die indigene Bevölkerung massive Auswirkungen. Durch die Rodungen der Wälder gehen ihnen Lebensräume und Nahrungsgrundlage verloren. Doch auch die Landwirte haben mit dem Anbau von Gensoja durch Großkonzerne zu kämpfen. Tiefgreifende Auswirkungen hat die Rodung auch auf klimatische Bedingungen des Kontinents. Mit den Wäldern verschwinden wesentliche Wasserspeicher, sodass sich beispielsweise in Brasilien bereits große Teile ehemals bewaldeter Flächen in Wüstenregionen verwandelt haben. Durch die Rodungen gehen ebenfalls wichtige CO2-Senken verloren, gleichzeitig werden Torfmoore freigelegt, die wiederum Kohlendioxid freisetzen und den Treibhauseffekt vorantreiben. (ml/kna)