Brasilien |

Neuer Chef der WTO kommt aus Lateinamerika

Der Brasilianer Roberto Azevêdo wurde von den 159 Mitgliedsstaaten zum neuen Chef der Welthandelsorganisation (WTO) gewählt, berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur. Das Ergebnis soll zwar am heutigen Mittwoch erst offiziell bekannt gegeben werden, Brasiliens Außenminister Antonio Patriota kommentierte das Ergebnis jedoch bereits als „bedeutendes Ergebnis, dass eine sich wandelnde internationale Ordnung widerspiegelt, in der der Schwellenländer ihre Führungsqualitäten zeigen“, erklärte Patriota während einer Pressekonferenz in der brasilianischen Hauptstadt.

Der 55-jährige Diplomat Azevêdo soll das Amt ab 1. September diesen Jahres von dem Franzosen Pascal Lamy übernehmen. Gegenkandidat von Azevêdo war der Mexikaner Herminio Blanco, dessen Kandidatur von der EuroäischenUnion und den USA unterstützt worden war. Nach vielen Einzelgesprächen konnte sich Azevêdo gegen Blanco durchsetzen. Sieben weitere Kandidaten waren bereits zuvor nach und nach ausgeschieden. Der Brasilianer gilt als Kritiker von Agrarsubventionen in westlichen Staaten und US-Subventionen für Baumwolle.

„Das ist heute ein Sieg für Brasilien und auch ein persönlicher Sieg von Roberto Azevêdo“, hob der brasilianische Außenminister daher bei der Pressekonferenz hervor. Mit ihm wird erstmals ein Lateinamerikaner Chef der 1995 gegründeten Welthandelsorganisation mit Sitz in Genf. Azevêdo ist bereits seit 2008 ständiger Vertreter Brasiliens bei der WTO. Zuvor war er unter anderem als Diplomat in Washington, Montevideo und Genf tätig. Als Vizeminister für Wirtschaft und Technik war er der Chefunterhändler Brasiliens in der Doha-Runde und beaufsichtigte die Verhandlungen des MERCOSUR über Handelsabkommen mit nicht lateinamerikanischen Staaten. (bh)