Brasilien |

Neue Wendung im Mordfall an Dorothy Stang

Neue Wendung im Mordfall der katholischen Missionarin Dorothy Stang in Brasilien: Der mutmaßliche Auftraggeber muss vorerst wieder ins Gefängnis. Das entschied das Oberste Gericht des brasilianischen Bundesstaates Para, wie brasilianische Medien am Freitag berichteten. Es hob eine im April 2009 bewilligte bedingte Freilassung für den zuvor bereits verurteilten Landbesitzer Vitalmiro Bastos de Moura wieder auf.

Stang, die sich jahrzehntelang für die Landrechte armer Bauern engagierte, war im Februar 2005 in der Nähe der Stadt Anapu nach mehreren Morddrohungen mit sechs Schüssen getötet worden. Bastos wurde im Mai 2007 als Drahtzieher des Mordes an der 73-jährigen US-Amerikanerin zu 30 Jahren Haft verurteilt.
In einem zweiten Prozess, auf den in Brasilien alle Verurteilten ab einem Strafmaß von 20 Jahren Anrecht haben, wurde er jedoch freigesprochen. Im April 2009 wiederum setzte die Staatsanwaltschaft von Para die Annullierung dieses Freispruchs durch. Die Anwälte von Bastos beantragten daraufhin eine Freilassung bis zu einem endgültigen Urteilsspruch. Diese wurde zunächst eingeräumt, an diesem Donnerstag jedoch wieder aufgehoben.

Am Freitag war noch nicht klar, ob Bastos die Haft bereits wieder angetreten hatte. Seine Anwälte können noch beim Obersten Bundesgerichtshof in der Hauptstadt Brasilia Einspruch einlegen und damit den Haftantritt theoretisch weiter hinauszögern. Auch ein Freispruch in letzter Instanz ist noch möglich.

Bastos und ein weiterer Landbesitzer, Regivaldo Pereira Galvao, sollen dem Auftragsmörder Rayfran das Neves Sales und einem Komplizen umgerechnet mehrere tausend Euro für die Ermordung Stangs gezahlt haben. Neves war 2005 und nochmals 2007 und 2008 des Mordes für schuldig befunden worden. Zuletzt verhängten die Richter eine Haftstrafe von 28 Jahren. Im Dezember letzten Jahres wurde bekannt, dass das Verfahren gegen ihn neu aufgerollt werden soll. Galvao musste sich bislang überhaupt nicht vor Gericht verantworten.

Quelle: kna