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Neue ?„rzte braucht das Land! 

Brasiliens Regierung hat beschlossen, eine aus Ärzten bestehende Nationale Einsatztruppe zu gründen. Damit soll die ärztliche Versorgung entlegener Gemeinden in dem Riesenland garantiert werden. Laut Regierungsangaben müssen derzeit gut zehn Prozent der brasilianischen Munizipien ohne einen fest vor Ort ansässigen Arzt auskommen. Besonders betroffen sind hiervon die entlegenen Regionen des Nordens und Nordostens, aber auch die Peripherien von Großstädten in ganz Brasilien.

Schlecht für die Karriere

Selbst hohe Gehälter locken in den meisten Fällen keinen Arzt in diese Regionen. Viele Ärzte fürchten durch eine Tätigkeit in einer entlegenen Region ihre Karriere aufs Spiel zu setzen oder gar in den Kleinstädten in lokalpolitische Dispute verwickelt zu werden. Zudem wollen viele nicht die prekären Lebensbedingungen in diesen Regionen in Kauf nehmen. Auch die hohen Gewaltraten in den Peripherien der Großstädte schreckt viele Ärzte davon ab, dort zu arbeiten.

Bereits im Juli wurde im Gesundheitsministerium eine Kommission eingerichtet, die noch bis Oktober darüber berät, wie zusätzliche Anreize für Ärzte geschaffen werden können. Eine Möglichkeit sei dabei, eine Rotation zwischen verschiedenen Städten oder Regionen einzurichten, wobei der Arzt lediglich wenige Monate in einer Stadt bleibt und danach wechselt.

Überdurchschnittliche Gehälter zahlen


Zudem will man den Ärzten überdurchschnittlich gute Gehälter zahlen. Diese werden vom Gesundheitsministerium ausgezahlt; allerdings kürzt das Ministerium entsprechend die Finanzzuschüsse für die jeweiligen Bundesländer. Ein anderer Ansatz sieht vor, Medizinstudenten einen Teil ihrer Studiengebühren zu erlassen, wenn diese sich bereit erklären, später für eine gewisse Zeit in entlegenen Regionen Dienst zu leisten. Zudem wird überlegt eine Art obrigatorischen Zivildienst für Ärzte einzuführen, die sich später im öffentlichen Dienst bewerben wollen.

Sanitätsschiffe


In der abgelegenen Amazonasregion erfolgt die ärztliche Betreuung der Bevölkerung aufgrund des Ärztemangels oft durch Sanitätsschiffe, die über die Urwaldflüsse von Gemeinde zu Gemeinde fahren. In den entlegenen Gebieten des Nordosten Brasiliens, der ärmsten Region des Landes, erfolgt die Gesundheitsbetreuung in Gemeinden ohne eigenes Krankenhaus durch von Stadt zu Stadt reisende Ärzte.

Autor: Thomas Milz