Haiti |

Neue Richtlinien für Arbeit mit NGOs

Haitis Ministerpräsident Laurent Lamothe und Vertreter von mehr als 50 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) haben am 24. September in New York ihre neuen Grundlagen der Zusammenarbeit vorgestellt. "Der neue Fahrplan wird sich für die ernst zu nehmenden NGOs als hilfreich erweisen, die schlechten Äpfel werden aussortiert ", betonte Lamothe im Anschluss an das Treffen gegenüber IPS und fügte hinzu, dass eine Stelle zur Koordinierung der NGO-Arbeit gegründet worden sei.

Das vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) organisierte Treffen fand am Rande der 67. UN-Vollversammlung in New York statt. Der zu diesem Anlass präsentierte Fahrplan soll der haitianischen Regierung helfen, die Übersicht über die vielen Aktivitäten der NGOs zu bewahren, und eine Fragmentierung der ´NGO-Republik´. Haiti hatte zwar schon vor dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010 humanitäre Hilfe erhalten. Doch nach der Katastrophe, die 300.000 Todesopfer forderte und 1,5 Millionen Menschen obdachlos machte, hat das horrende Ausmaß der Hilfe Haiti den Namen ´NGO-Republik´ eingebracht. Der haitianische Haushalt wird derzeit zu zwei Drittel mit ausländischen Geldern finanziert. Die Unterstützung war nicht immer hilfreich. John Chaloner von internationalen NGO-Konsortium CCO räumte ein, dass es nach dem Erdbeben nur allzu häufig zu Kooperationsproblemen zwischen den NGOs gekommen sei.

"Fokus stärker auf internationale Institutionen legen"

Nach Ansicht von Rebecca Grynspan, UN-Unterstaatssekretärin und beigeordnete Administratorin des UNDP, muss die internationale Gemeinschaft ihren Fokus stärker auf die Stärkung der nationalen Institutionen legen. Gleichzeitig betonte sie jedoch, dass NGOs bei der Bereitstellung von Gesundheitsdiensten, Unterkünften, Bildung und Nahrungsmittelhilfe durchaus gute Arbeit geleistet hätten und leisteten. Der haitianische Ministerpräsident stimmte dem zu, unterstrich aber auch, dass es nun darum gehe, den Mangel an Führung wettzumachen und die Hilfsaktivitäten zu strukturieren. "Alles ist eine Frage der Organisation", sagte er.

"Wir wollen auch nicht ewig als NGO-Nation bezeichnet werden." Es sei an der Zeit, dass Haiti mit der Nahrungsmittel- und Industrieproduktion beginne. Die Arbeitslosigkeit im Land liegt bei 70 Prozent, und 80 Prozent der Wirtschaft ist informell. Filmstar und Gründer der NGO ´J/P HRO´, Sean Penn, erklärte auf dem Treffen, eigentliches Ziel der Hilfsorganisationen sei, sich überflüssig zu machen. Doch dieser Punkt sei noch nicht erreicht. Noch immer lebten 400.000 Menschen in Zelten. Die Sicherheit in den Zeltlagern sei prekär, und es komme zu Übergriffen und Vergewaltigungen. Ebenso sei die Unsicherheit im Lande groß und schrecke internationale Unternehmen von Investitionen in den karibischen Staat ab. Dennoch sei er zuversichtlich, "dass uns Haiti auf lange Sicht die Früchte unserer aller Arbeit sehen lassen wird".

Quelle: IPS