|

Neue Pastoral für US-Latino-Katholiken

Aufgeschreckt durch den dramatischen Anstieg der Zahl vorwiegend katholischer Einwanderer aus Mittel- und Südamerika hat in den USA ein Forum von Experten an der Fordham-Universität der Jesuiten in New York eine neue Pastoral für die Zukunft der Kirche in Nordamerika gefordert. Ausgangspunkt für Überlegungen über die grundlegenden Veränderungen des US-Katholizismus durch die Zunahme der sogenannten Hispanics und Latinos waren Ergebnisse neuer Erhebungen des Pew Forums für Religion und öffentliches Leben.

Spätestens 2050 werden Latinos nach den Berechnungen der Pew-Forscher aufgrund weiterer Zuwanderung und der hohen Geburtenrate die Hälfte der Katholiken in den USA stellen. Bereits heute zeige die Statistik, dass der Anteil von rund 34 Prozent Katholiken an der Gesamtbevölkerung in den letzten Jahren nur stabil geblieben sei, weil der Rückgang der weißen Kirchenmitglieder (Geburtenrückgang/Religionswechsel) von Migranten aus Mittel- und Südamerika aufgefangen wurde.

Latinos, bisher nur als "Gäste am Tisch", folgert Peter Steinfels, Co-Direktor des Zentrums für Religion und Kultur an der Fordham-Universität, würden schon in zwei Jahrzehnten die "Gastgeber" sein. Bisher habe das Problem der Kirche darin gelegen, wie diese Einwanderer als Minderheit aufgenommen und integriert werden könnten. Jetzt wollten die Latinos oder Hispanics ihre katholische Kultur in das kirchliche Leben einbringen. Als schwierig erweise sich dabei, so P. Claudio Burgaleta SJ vom Graduate-Programm für lateinamerikanische Studien, dass einerseits unter den Zuwanderern aus Zentral- und Südamerika große kulturelle und entwicklungsmäßige Unterschiede bestünden. Andererseits wollten die meisten Migranten ihre Herkunftsidentität bewahren und sich nicht im US-Mainstream verlieren. "Latinos sind zugleich traditionell orthodox im Glauben und originär charismatisch im Glaubensleben", so Burgaleta. Das bringe vor allem für die Gemeindepastoral neue Situationen, sowohl dort, wo überwiegend Latinos leben, als auch dort, wo es gemischte Pfarreien gibt. Deshalb sei das Paradigma, das die Bischofskonferenz 1980 zugrunde gelegt habe, nicht mehr zutreffend.

Pfarrer Arturo Bauelas berichtet von seinen Erfahrungen in El Paso/ Texas an der Grenze zu Mexiko. Er weist auf einen Unterschied zwischen Hispanics und Einwanderern aus anderen Kontinenten hin. Erstere fühlten sich in der US-Gesellschaft und Kirche nicht als Minderheit, sondern im spanischsprechenden Amerika verwurzelt. Grund ist auch die Vergangenheit: Die USA haben durch Verschieben der Grenze nach Süden 1848 großer Teile Mexikos annektiert. Latino-Pastoral müsse daher über die übliche Assimilation für eine Integration hinausgehen und den Reichtum der latino-katholischen Kultur fördern. Da dies weithin nicht der Fall sei, fühlten sich viele Latinos heimatlos, und vor allem Jugendliche ließen sich von obskuren Sekten anwerben.

Einen ersten großen Schritt in Richtung auf eine neue Latino-Pastoral geht die Katholische Notre-Dame-Universität bei Chicago. Eine von ihr gegründete nationale Arbeitsgruppe rief eine Kampagne ins Leben, die bis 2020 für eine Million Schüler und Studenten aus Latino-Familien Plätze im katholischen Bildungswesen schaffen will. Eine Studie zeigt, dass nur drei Prozent der Hispanic-Kinder und -Jugendlichen private katholische (kostenpflichtige) Schulen und Colleges besuchen. Die Zahl der erfolgreichen Absolventen liegt an katholischen Schulen zweieinhalb Mal höher als an öffentlichen Schulen. Zudem bieten nur erstere einen Religionsunterricht an.

Quelle: kna