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Neue Autobahnen verschlimmern Luftverschmutzung

Mexiko‐Stadt ist mit rund 20 Millionen Einwohnern nicht nur eine der größten Metropolen der Welt. Auch die Luftverschmutzung ist extrem hoch. Umweltschützer warnen davor, dass staatliche Subventionen und der Bau neuer Straßen den ohnehin schon dichten Autoverkehr weiter steigern werden.

Die Verkehrsplaner zwingen die Menschen dazu, selbst kurze Strecken mit dem PKW zurückzulegen. Bislang kann der Biologe Luis Zambrano seine Tochter morgens noch zu Fuß in die nahe gelegene Schule im Vorort La Magdalena Contreras im Südwesten von Mexiko‐Stadt bringen. Dies könnte sich aber bald ändern. „Wenn die neue Stadtautobahn gebaut wird, muss ich auf das Auto umsteigen“, bedauert Zambrano im Gespräch mit IPS. „Für die Fahrt brauche ich dann sogar mehr Zeit als für den Fußweg.“

Wie der Regierungschef des Bundesdistrikts Mexiko‐Stadt, Marcelo Ebrard, ankündigte, soll in Kürze der erste Spatenstich zu der umstrittenen „Supervia Poniente“ erfolgen. Die Baukosten im Umfang von rund 490 Millionen US‐Dollar sollen durch Mautgebührenteilweise wieder ausgeglichen werden.

Nicht nur enteignete Grundstücksbesitzer sind aus Ärger über das Projekt auf die Barrikaden gegangen. Mitglieder von Bürgerverbänden regen sich auch darüber auf, dass die fünf Kilometer lange Straße keinen erkennbaren Nutzen für die Einwohner habenwird. Die linke Stadtregierung werde damit vor allem das Verkehrsaufkommen erhöhen und die Umwelt schädigen, beschweren sie sich.

In anderen Landesteilen ist die Situation ähnlich. „Ohne Auto komme ich nicht weiter“, klagt Bárbara Jacob, die dem Umweltbürgerrat der zentralmexikanischen Stadt Querétaro angehört. Andere Verkehrsverbindungen, die aus „Schlafstädten“ hinausführten, gebe es nicht. Dass die Regierung des konservativen Staatschefs Felipe Calderón der Autoindustrie hohe Subventionen zuschiebt, stößt bei Umweltorganisationen ebenfalls auf scharfe Kritik. Allein im vergangenen Jahr erhielten die Hersteller Zuschüsse in Höhe von rund 2,1Milliarden Dollar. Ende Juni kündigte der Präsident außerdem an, dass die Kfz‐Steuer auf neu zugelassene Autos schrittweise gesenkt wird.

Dabei belegen selbst offizielle Studien, dass Mexiko mit einem jährlichen Ausstoß von 715,3 Millionen Tonnen CO2 bereits zu den großen Klimakillern zählt. 60 Prozent dieser Schadstoffe werden demnach durch die Produktion und den Konsum von Energie – und somit auch durch den Autoverkehr – erzeugt.

Ebrard versucht seine Kritiker damit zu beruhigen, dass schließlich auch in den öffentlichen Personennahverkehr investiert werde. In Mexiko‐Stadt wurden zwei Metrobuslinien in Betrieb genommen, eine weitere ist in Planung. Bis 2012 soll dieses Streckennetz auf 200 Kilometer ausgebaut werden. In zwei Jahren ist außerdem die Eröffnung einer neuen U‐Bahnlinie geplant, die den Osten mit dem Westen der Stadt verbinden soll.

Das Verkehrsproblem wird dadurch allerdings noch nicht gelöst. Auf den Straßen des Landes sind etwa 20 Millionen Autos unterwegs, vier Millionen davon allein in der Hauptstadt. Der gesamte Kraftverkehr belastet die Luft mit jährlich etwa 134 MillionenTonnen Treibhausgasen. Auch die Produktion von Autos schlägt in der Umweltbilanz kräftig zu Buch. Lediglich 14,4 Prozent aller Emissionen sind den Statistiken zufolge auf die Müllentsorgung und 9,9 Prozent auf die Abholzung der Wälder zurückzuführen. 8,9Prozent werden schließlich der Industrie und weitere 6,4 Prozent der Landwirtschaft angelastet.

Ähnlich wie in der Hauptstadt soll auch in Morella im Bundesstaat Michoacán eine Straße entstehen, deren Nutzen mehr als zweifelhafterscheint. Forscher an der staatlichen autonomen Universität von Mexiko‐Stadt gaben unter anderem zu bedenken, dass unter dieser Straße eine geologische Falte verläuft. Der vier Kilometer lange Verkehrsweg soll vor allem eine Verbindung zwischenWohngebieten und einem Einkaufszentrum schaffen. Durch den Bau droht allerdings eine der wichtigsten Wasserquellen in der Gegend geschädigt zu werden.

In der Großstadt Guadalajara, rund 540 Kilometer nordwestlich von Mexiko‐Stadt, ist außerdem eine 23 Kilometer lange Hochstraße (Expressway) geplant, die durch einen Park führen soll. Ironischerweise soll gerade in Guadalajara im nächsten Jahr ein internationaler Kongress zum Thema autofreie Städte stattfinden.

Autor: Emilio Godoy (IPS-Weltblick), Deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe