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Náhuatl-Indigene geben Sprachen aus Scham auf

Kinder tragen indigene Festkleidung in Texcoco. (Symbolfoto: Adveniat/Pohl)
Kinder tragen indigene Festkleidung in Texcoco. (Symbolfoto: Adveniat/Pohl)

Weil sich Studentinnen und Studenten ihrer indigenen Herkunft schämen, geben die jungen Menschen in Mexiko zunehmend ihre indigene Muttersprache auf. Das geringe Selbstbewusstsein aufgrund lebenslanger Diskriminierung „seit der Kindheit“ führe bei jungen Menschen mit Náhuatl-Herkunft dazu, dass sie in der Hochschule lieber Spanisch sprechen würden statt Náhuatl, so Claudia Patricia Eguiarte Espejo, Wissenschaftlerin an der Universidad Veracruzana Intercultural (UVI) im Bundesstaat Veracruz.

Die Stigmatisierung Indigener in Mexiko als „faul“ oder „schmutzig“ habe zu einer Ablehnung oder Leugnung der indigenen Herkunft in der Öffentlichkeit und im Universitätsleben geführt, berichtet die Tageszeitung „Diario de Xelapa“ am Sonnabend, den 12. Mai 2018, über die Folgen von Rassismus, Vorurteilen und Diskriminierung im Alltag. „Wir haben es mit Jugendlichen zu tun, die über einen riesigen kulturellen Schatz verfügen, und wir müssen dafür sorgen, dass sie wieder Vertrauen und Selbstbewusstsein aufbauen“, fordert die Wissenschaftlerin.

Würde die Sprache verschwinden, so würde dies den Verlust einer ganzen Kultur und Lebensweise mit sich bringen. „Die indigenen Völker sind Völker mit einem tiefen Respekt gegenüber der Natur, gegenüber der Mutter Erde“, so Eguiarte. Náhuatl ist die meistgesprochene indigene Sprache in Nord- und Mittelamerika mit rund 1,5 Millionen Sprecherinnen und Sprechern. In Mexiko wird sie in den Bundesstaaten Puebla, Veracruz, Hidalgo und Guerrero gesprochen. (bb)