Argentinien |

Mutmaßlicher Mörder vor Prozessbeginn gestorben

Einer von drei Sicherheitskräften, die sich ab Oktober für den mutmaßlichen Mord an dem argentinischen Erzbischof Enrique Angelelli (1923-1976) vor Gericht verantworten müssen, ist laut Medienberichten gestorben. Offenbar starb der ehemalige Polizist Juan Carlos Romero bereits am Freitag, 13. September, in seinem Hausarrest im nordargentinischen La Rioja, so die Berichte vom Sonntag (Ortszeit).

Der mysteriöse Unfalltod Angelellis während der Militärdiktatur soll von Oktober an gerichtlich aufgeklärt werden. Dann beginnt eine Verhandlung vor einem Bundesgericht in der nordwestargentinischen Provinzhauptstadt Catamarca. Angelelli gehörte einer Gruppe von Bischöfen an, die Menschenrechtsverletzungen während der Diktatur anprangerten. Bei der Rückkehr von einer Messe für zwei ermordete Priester am 4. August 1976 wurde sein Fahrzeug von zwei anderen Wagen von der Straße abgedrängt.

Zuletzt hatte die argentinische Justiz im Jahr 2011 Jorge Videla, den mittlerweile verstorbenen Chef der Militärjunta, sowie den inzwischen ebenfalls verstorbenen ehemaligen Innenminister Albano Harguindeguy der Urheberschaft bezichtigt. Mittlerweile wird gegen drei ranghohe Militärs ermittelt, die nun vor Gericht befragt werden sollen.

Während der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) kamen nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen insgesamt 19 Geistliche gewaltsam ums Leben oder verschwanden spurlos. Weitere elf wurden vorübergehend entführt und gefoltert, 22 Priester wurden verhaftet. Zu den bekanntesten Opfern gehören die Priester Carlos Murias und Gabriel Longueville aus dem Bistum La Rioja. Die Umstände ihrer Ermordung sind bis heute im Dunkeln. Erzbischof Angelelli hatte sich um Aufklärung bemüht, kurz bevor er selbst ums Leben kam.

Quelle: KNA