Brasilien |

Munizip erklärt Guaran?­ zur Amtssprache

Ab sofort ist die Indiosprache Guaraní neben dem Portugiesischen die offizielle Sprache im Munizip Tacuru im Bundesstaat Mato Grosso do Sul, wie die Webseite des Indianer-Missionsrates CIMI informierte. Das Munizip ist damit erst das zweite in ganz Brasilien, in dem eine Indiosprache zur Amtssprache erklärt wurde. Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hatte Ende Mai ein Gesetz unterschrieben, das Munizipien dies erlaubt.

Ab sofort müssen in der 10.000 Einwohner zählenden Stadt demnach öffentliche Einrichtungen wie Ämter und Krankenhäuser neben dem Portugiesischen Informationen in Guaraní anbieten. Die Stadtverwaltung von Tacuru ging gleichzeitig die Verpflichtung ein die Indiosprache in offiziellen Verlautbarungen zu benutzen. Zudem darf niemand wegen der Benutzung des Guaraní und verwandter Sprachen wie Kaiowá, Ñandeva und M’byá diskriminiert werden.

Nach Angaben der Stadtverwaltung sind gut ein Drittel aller Einwohner in Tacuru indianischer Abstammung. Zudem stammen weitere 30 Prozent aus dem benachbarten Paraguay, wo Guaraní neben dem Spanischen Amtssprache ist. An den Schulen der Stadt sollen nun Guaraní-Kurse angeboten werden, um die Verständigung zwischen Indios und Nicht-Indios zu erleichtern.

Das erste Munizip, das das neue Gesetz umsetzte, war São Gabriel da Cachoeira im Bundesstaat Amazonas: es hat neben dem Portugiesischen nun drei Indiosprachen als offizielle Sprachen. Im Munizip Paranhos, ebenfalls in Mato Grosso do Sul gelegen, berät der Stadtrat derzeit über die Offizialisierung von Guaraní als zweite Sprache. (milz)