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Multis vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft der Stadt Campinas hat das Oberste Gericht des Landes mit der Prüfung von Schadensersatzansprüchen gegen die Firmen Shell und BASF beauftragt. Die Energie- und Chemiemultis sollen sofort 500 Millionen US-Dollar in einen Treuhandfonds zur Entschädigung hunderter Arbeiter einzahlen, berichteten lokale Medien vom Donnerstag unter Berufung auf Regierungskreise. Die Angestellten hätten in der von den Unternehmen geführten Chemie-Fabrik Paulina nördlich von Campinas durch den Austritt chemischer Substanzen teils schwere Gesundheitsschäden davon getragen.

»Uns liegen zahlreiche technische Untersuchungen vor die bestätigen, dass der Boden der Fabrik komplett verseucht ist«, so auch Rafael Almeida, Pressesprecher des Arbeitsministeriums der Stadt Campinas zur Nachrichtenagentur AP. Die Folge sei eine Kontamination des Grundwassers und eine »massive Schädigung der Fabrikarbeiter«, erklärt Almeida. Die häufigsten Krankheiten sind Prostata-Krebs, Impotenz, Gedächtnisprobleme und Schilddrüsenleiden.

Die Düngemittel-Fabrik in der Kleinstadt Paulínia im Bundesstaat Sao Paulo war bereits 2007 still gelegt worden. Betrieben wurde die Anlage bis 1995 vom weltweit größten Erdöl-Konzern Shell mit Sitz in Großbritannien. 2000 kaufte das deutsche Chemieunternehmen BASF die Fabrik von einem US-Unternehmen auf. Die Firma sei »durch Produkte für den Ernteschutz hochgradig verseucht«, zitiert die Nachrichtenagentur BBC aus dem BASF-Jahresbericht von 2011. (bb)