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Müll-Recycling boomt

Müll-Wiederaufbereitung hilft Kosten zu sparen, schafft neue Jobs und schont die Umwelt. Diese Einsicht setzt sich zunehmend auch in Zentralamerika durch, wo die Recycling-Industrie weiter an Boden gewinnt.

Seit August 2009 koordiniert die Börse für Industrieabfälle in Zentralamerika und der Karibik (Borsicca) die Vermarktung von Abfällen, die über ein elektronisches Verteilungssystem Recycling-Prozessen zugeführt werden.

"Das Umweltbewusstsein ist stärker geworden. Immer mehr Firmen kommen auf uns zu und fragen, was sie mit ihren Abfällen machen sollen", sagte René Silva vom unabhängigen Nationalen Zentrum für saubere Produktion, der auch für Borsicca arbeitet. Mitglieder der Abfallbörse sind Belize, Costa Rica, die Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua und Panama.

Laut Silva spielt bei der Müllaufbereitung nicht nur der Umweltschutz, sondern auch die Kostenersparnis eine erhebliche Rolle. "Die Umwelt ist nicht von der Wirtschaft getrennt. Um die Natur zu verschmutzen, braucht man zunächst Geld, um Rohstoffe zu kaufen. Wenn man nun Umweltverschmutzung vermeidet, gibt man auch weniger Geld aus", meinte er.

Zehn Monate nach ihrer Gründung hatte Borsicca rund 8,2 Tonnen Müll vermarktet, vor allem Papier, Pappe und Plastik. Zu den Förderern der Initiative gehört die Zentralamerikanische Kommission für Umwelt und Entwicklung (Ccad).

´Grünes´ Müll-Management bringt üppige Devisen

In Costa Rica gibt es bereits seit 2004 den Markt für Reststoffe und industrielle Nebenprodukte. Wie die Mitarbeiterin Akira Hildalgo erläuterte, werden dort binnen sechs Monaten zwischen 100 und 120 Tonnen Abfälle gehandelt.

Wie Borsicca betreibt auch die zwischenstaatliche Organisation in Costa Rica eine Internet-Plattform, auf der Kaufangebote und -gesuche veröffentlicht werden können. Dieser Wirtschaftszweig ist inzwischen soweit gewachsen, dass er der Region wichtige Deviseneinkünfte verschafft und vielen Menschen Arbeit bietet.

"Bis Oktober hat Nicaragua recycelbare Abfälle, darunter vor allem Eisen, im Wert von etwa 40 Millionen Dollar ausgeführt", sagte Carlos Marín, der Vorsitzende der nicaraguanischen Vereinigung von Recycling-Unternehmen, im Gespräch mit IPS. Im Vorjahr hätten die Einkünfte 24 Millionen Dollar erreicht.

In dem Land wird erst seit wenigen Jahren Müll wiederaufbereitet. Nicaragua habe in diesem Bereich zeitgleich mit China und Indien einen Boom erlebt, berichtete Marín. 2003 und 2004 hätten diese Staaten damit begonnen, wiederaufbereitbare Materialien in größeren Mengen zu kaufen.

Arbeitsplätze und Anreize für Unternehmen

Nach Angaben des Unternehmers leben zurzeit rund 25.000 Familien in Nicaragua von den Müllgeschäften. "Der Nutzen für die Umwelt ist schwer einzuschätzen", räumte er ein. Bislang seien die Nicaraguaner daran gewöhnt gewesen, Müll achtlos wegzuwerfen. Viele Abfälle seien deshalb in die Flüsse geschwemmt worden.

Um die Umweltbelastung zu verringern, hält es Marín für notwendig, dass die Regierung Herstellerfirmen und Recycling-Unternehmen entsprechende Anreize bietet. So soll sichergestellt werden, dass Produktverpackungen nach Gebrauch gesammelt und weiterverarbeitet werden.

Raúl Bonilla von der guatemaltekischen Organisation ´Amigos de la Naturaleza´ (Freunde der Natur) beklagte allerdings den wenig umsichtigen Umgang der Bevölkerung mit festen Abfällen. Er forderte gezielte Informationskampagnen, die ein größeres Umweltbewusstsein wecken sollen.

Internationale ISO-Standards angenommen

Die Organisation bietet seit 2006 Fortbildungen im Abfall-Management an und sammelt darüber hinaus recycelbaren Müll. "Im ersten Jahr kamen 96 Tonnen zusammen", erinnerte sich Bonilla. "Und in diesem Jahr haben wir bis Oktober sogar schon 1.250 Tonnen gesammelt."

Nach Ansicht von Bonilla haben auch die neuen rechtlichen Bestimmungen in Guatemala der Branche zum Aufschwung verholfen. Die Annahme internationaler Standards wie die Umweltnorm ISO 14000 hätten den nachhaltigen Umgang mit Müll vorangetrieben.

Dennoch muss Zentralamerika sein Abfallmanagement weiter verbessern. Wie das Zentrum für urbane und regionale Studien sowie das Städtische Informationssystem in Guatemala feststellten, produziert das Land jährlich rund 1,26 Millionen Tonnen Abfälle. Davon werden zwar 60 bis 70 Prozent wiederaufbereitet. Vorschriften zur Mülltrennung gibt es bisher allerdings nicht.

Autor: Danilo Valladares, in: IPS Weltblick