Brasilien |

Mord an Journalisten löst Protestwelle aus

Wieder einmal ist in Brasilien ein Journalist ermordet worden. Am Abend des 23. April wurde Decio Sa im nordöstlichen Sao Luis auf offener Straße von Unbekannten mit sechs Schüssen niedergestreckt. Der 42-jährige Journalist hatte zuvor in seinen Veröffentlichungen Lokalpolitiker der Zusammenarbeit mit mafia-ähnlichen Organisationen beschuldigt. Der Mord löste eine Welle von Protesten von Journalistenverbänden aus. Nur einen Tag vor der blutigen Tat hatte die Interamerikanische Pressegesellschaft SIP die Gewalt gegen Journalisten in Brasilien beklagt, nachdem innerhalb von drei Monaten drei Journalisten ermordet worden waren.

Sowohl Brasiliens Journalistenverbände ABI und Fenaj, die lokale Journalistengewerkschaft sowie die Organisation "Reporter ohne Grenzen" verurteilten die Tat und forderten eine rasche und gründliche Aufklärung. Die ABI richtete einen Aufruf an Staatspräsidentin Dilma Rousseff und Justizminister Jose Eduardo Cardozo, in dem um die Entsendung von Beamten der Bundespolizei zur Begleitung der Untersuchungen gebeten wird. Der Mord an Sa sei das Resultat der Passivität der lokalen Justizbehörden, so die ABI.

"Reporter ohne Grenzen" forderte die Autoritäten auf, die freie Berichterstattung über Korruption zu garantieren. Man hoffe, dass der Mord den Autoritäten, besonders in Brasiliens Norden und Nordosten, die Augen öffnet über die Gefahren, denen Journalisten hier ausgesetzt sind, so die "Reporter". In Brasilien wurden nach Angaben der Organisation im Jahre 2011 drei Journalisten ermordet, während es in den ersten Monaten des Jahres 2012 bereits zu vier Todesfällen kam. Zudem sei es zu 6 Fällen von Zensur, 6 Attentaten und ebenso vielen direkten Morddrohungen gekommen. Damit belegt Brasilien den 99. von 179. Plätzen in einem Ranking zur weltweiten Pressefreiheit. (tm)