Bolivien |

Morales kündigt brasilianischer Baufirma

In einer Pressekonferenz am Dienstag hat Boliviens Präsident Evo Morales die Vertragskündigung mit dem privaten Bauunternehmen OAS angekündigt. Der Konzern aus Brasilien hatte 2009 vom bolivianischen Staat den Auftrag für den Bau der Teilstücke I und III der Straße zwischen Villa Tunari – San Ignacio de Moxos erhalten, dessen umstrittener Abschnitt II durch das Naturreservat TIPNIS führen soll.

Wegen »wiederholter Nichterfüllung seitens OAS haben wir entschieden und damit begonnen ein Kündigungsverfahren einzuleiten, besonders für die Teilstücke I und III«, so Morales. Ohne Angabe von Gründen und Genehmigung aus La Paz hatte OAS die Bauarbeiten eingestellt, erklärte der Staatschef. Auch auf der Strecke Potosí – Uyuni seien Berichte über den Stand von Bauarbeiten immer wieder verhindert worden.

Bereits vor einer Woche hatte Morales Kritik geäußert. »Mit OAS haben wir bis heute nicht eine Straße fertiggestellt, immer wird irgendein juristisches oder technisches Problem gefunden, um noch mehr Subventionen zu fordern oder Fristen zu verlängern«, so Morales Anfang April.

José María Bákovic, Ex-Präsident von Boliviens staatlicher Straßenbaubehörde ABC warnte vor möglichen finanziellen Folgen. »Diese Firmen sind sehr mächtig, es ist schwer, gegen solche Unternehmen zu kämpfen«, verwies Bákovic auf Finanzierungsverträge mit der brasilianischen Entwicklungsbank BNDES. »Das ist eine Bank für die Entwicklung eines Landes, aber es gibt Klauseln, die diese Bank zur erpresserischsten der Welt machen«, warnte der Ex-ABC-Chef.

OAS steht nicht nur in Bolivien in der Kritik. Dem Unternehmen aus Sao Paulo, das Teil des Energiekonsortiums Geraçao Energia ist, das im Amazonas von Peru den Megastaudamm Iñambari baut, werden für Peru nachteilige Ausschreibungspraktiken vorgeworfen. In Ecuador ist es am Bau des Riesenstaudamms Baba Vinces beteiligt, dem ebenfalls Überteuerung vorgeworfen wird. Für den Erhalt von Aufträgen fließen Medienberichten zufolge regelmäßig Schmiergelder, Pfusch am Bau ließ in Brasilien Brücken und Gebäude einstürzen. (bb)