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Monokulturen in der Kritik

Die Untersuchung mit dem Titel ´Azúcar roja, desiertos verdes´ (Roter Zucker, grüne Wüsten) befasst sich unter anderem mit der Produktion von Palmöl in Mexiko, Kolumbien und Ecuador, dem Zuckerrohranbau in Zentralamerika und Brasilien, den Soja‐Kulturen in Argentinien, den Ananaspflanzungen in Costa Rica und der Forstindustrie in Chile. Koordiniert wurde sie unter anderem von der Nichtregierungsorganisationen ´Habitat International Coalition´ und der Menschenrechtsvereinigung FIAN.

Die Bauern in der Region begannen Mitte des vorigen Jahrhunderts mit Monokulturen, die sich bestens mit dem exportorientierten Entwicklungsmodell vertragen, das in Lateinamerika praktiziert wird. Zum Boom kam es in den siebziger Jahren, als Lateinamerika verstärkt Rohstoffe in die Industriestaaten lieferte. Bei dem Phänomen gehe es um Kontrolle und Dominanz, das Kampf um Einfluss und Finanzmärkte ebenso beinhalte wie die Ausbeutung von Arbeitskräften und Energiequellen, sagte dazu der Koordinator der nichtstaatlichen Organisation ´Kontinentaler Schrei der Ausgegrenzten´, Gerardo Cerdas, im Gespräch mit IPS. Menschen und Böden werden somit gleichermaßen ausgepresst. So wurde die auf 16 Millionen Hektar betriebene Soja‐Produktion in Argentinien zwischen 1991 und 2007 von zehn auf 48 Millionen Tonnen erhöht. Triebfeder war der rasante Anstieg der Weltmarktpreise von 180 US‐Dollar pro Tonne 1881 auf 580 Dollar im 2008.

Paulo Aranda von der Bewegung indigener Bauern in Argentinien wirft gerade den großen Sojaunternehmen vor, die Landkonzentration in der Region zu verschärfen, den Kahlschlag der Wälder voranzutreiben und die Bauernfamilien hemmungslos auszubeuten.

Mit einer Anbaufläche von 54.000 Hektar Land ist Costa Rica zum weltgrößten Ananasproduzent der Welt aufgestiegen. Den größten Teil der Ernte fährt der multinationale Konzern Del Monte ein. Die produzierten Früchte sind vor allem für den US-Markt bestimmt. Doch für den Anbau werden Unmengen an Agrochemikalien eingesetzt. Das Ergebnis sind verseuchte Flüsse, kontaminierte Böden und zerstörte ökosysteme.

In letzter Zeit werden Energiepflanzen in Monokultur für die Herstellung alternativer Treibstoffe wie Ethanol und Bio‐Diesel angebaut. Auch in diesem Bereich sind die energiehungrigen USA Hauptabnehmer. Die hohe Nachfrage nach dem neuartigen Sprit resultiert aus der fortschreitenden globalen Erdölknappheit und dem Kampf gegen den durch CO2‐Emissionen vorangetriebenen Klimawandel.

Brasilien ist mit jährlich mehr als 27 Milliarden Litern größter lateinamerikanischer Produzent von Ethanol, das vorwiegend aus Zuckerrohr gewonnen wird. Das Modell soll nun auch nach Zentralamerika, Mexiko, Japan und mehrere afrikanische Länder exportiert werden. In Mexiko sind bereits zahlreiche Zuckermühlen in Ethanolfabriken umgewandelt worden. Das Pilotprojekt in der Stadt Guadalajara mehr als 500 Kilometer nordwestlich von Mexiko‐Stadt, wo ab dem kommenden Jahr die Produktion eines Gemisches aus Benzin und Biosprit anlaufen sollte, musste jedoch einen Rückschlag hinnehmen. Eine angestrebte Einigung mit dem staatlichen ölkonzern Pemex über die Abnahme von rund 658 Millionen Liter Ethanol ist vorerst gescheitert. Ohnehin ist die Branche mehr an lukrativen Geschäften mit den USA als mit potenziellen Abnehmern im Inland interessiert.

Wie Cerdas kritisiert, dient die Herstellung von alternativen Treibstoffen vor allem dazu, das bisherige Modell der Energieerzeugung künstlich aufrecht zu erhalten. Dieses Modell sei jedoch nicht lebensfähig, erklärte er. Die Gegner der Monokulturen werden ihre Kritik dem Ausschuss für Nahrungssicherheit der Weltagrarorganisation FAO im kommenden Oktober vortragen.

Autor: Emilio Godoy, deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe, in: IPS Weltblick