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MINUSTAH: Erneut Ermittlungen wegen sexuellem Missbrauch

Die Vereinten Nationen haben zwei Verfahren gegen Angehörige der UN-Friedensmission MINUSTAH eingeleitet. Es handele sich dabei um Anzeigen wegen „sexueller Ausbeutung und Missbrauch Minderjährigen“ gegen Polizisten der multinationalen UN-Mission, so der Sprecher der UNO, Martin Nesirky.

In einem der Fälle seien UN-Polizisten angezeigt worden, die in der Hauptstadt stationiert sind, im anderen Fall stünden „ein oder mehrere Mitglieder“ der MINUSTAH in der Stadt Gonaives unter Verdacht.

“Schwarze Liste“ in Arbeit

Die Beschuldigten seien für die Dauer der Untersuchung von ihren Funktionen entbunden worden, so der Pressesprecher. Zur Staatsangehörigkeit der Angeklagten wollte Nesirsky keine Angaben machen. Die UNO sei erschüttert über diese gravierenden Anschuldigungen und werde die Verantwortung übernehmen. Im Gegensatz zu Vorfällen, in denen Soldaten verwickelt seien, liege die Verantwortung für die Polizeieinheiten nicht bei den Herkunftsländern, sondern „bei der UNO“. Der Sprecher versprach zudem, dass den Opfern Hilfen zukommen würden.

Der Generalsekretär für UN-Friedensmissionen, Edmond Mulet, erklärte zudem gegenüber der Presse, man erarbeite eine Liste der Herkunftsländer, aus denen Soldaten und Polizisten kamen, die in Missbrauchsfälle involviert gewesen seien. Diese Staaten werde man künftig nicht mehr um ihre Zusammenarbeit oder das Entsenden von Personal ersuchen, so Mulet.

Umstrittene UN-Friedensmission

Die Anwesenheit der Blauhelme hat in der Vergangenheit bereits immer wieder für Diskussionen und Proteste der Bevölkerung gesorgt. Zu Ausschreitungen kam es, als nachgewiesen wurde, dass die letzte Cholera-Epidemie von nepalesischen UN-Soldaten ins Land gebracht wurde. Die Krankheit hatte 6.000 Todesopfer gefordert und grassiert noch heute. Im August 2011 sorgte ein Missbrauchsfall durch uruguayische Soldaten der MINUSTAH für einen Skandal.

Der haitianische Senat hatte daraufhin im September des vergangenen Jahres in einer nicht bindenden Resolution das Ende der UN-Mission zur Stabilisierung Haitis gefordert. Die Blauhelme sollten, so die Senatoren, das Land spätestens Mitte Oktober 2012 verlassen. Die UNO hatte das Mandat vergangenen Herbst um ein weiteres Jahr verlängert. (bh)