Chile |

Mindestrente steigt um 10 Prozent

Foto: DFID - UK Department for International Development, CC BY-SA 2.0.
Foto: DFID - UK Department for International Development, CC BY-SA 2.0.

Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet hat am Montag, 28. November 2016, ein Gesetz unterzeichnet, das die Mindestrente in dem südamerikanischen Land um zehn Prozent erhöht. Dieser außergewöhnliche Anstieg der staatlichen Rente für Menschen, die selber nicht vorsorgen konnten, erhöht den Betrag auf monatlich rund 150 US-Dollar. "Wir alle brauchen Renten, die ein würdiges Leben in angemessenen Bedingungen ermöglichen, mit denen wir auch ein klein bisschen glücklicher sein können", gab Bachelet nach der Unterzeichnung des Gesetzes gegenüber der Presse an. Die Änderung gilt ab dem 01. Januar 2017.

Ein Schritt in die richtige Richtung?

Das chilenische Rentensystem ist schon seit mehreren Monaten Auslöser einer breiten öffentlichen Debatte. Den Großteil der Altersvorsorge leisten Arbeitnehmer in Chile in einem privaten Fondssystem (AFP), das inzwischen sowohl national als auch international Kritik erfährt. Es wurde im Jahr 1981 vom damaligen Diktator Augusto Pinochet eingeführt. Die Bewegung „No+AFP“ kritisiert, dass kaum ein Rentner wirklich davon leben könne und die privaten Fonds zu profitorientiert agieren. Sie fordern eine umfassende Reform des kompletten Rentensystems und haben vor allem diesen Sommer hunderttausende Demonstranten mobilisiert, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen.

Mit der Erhöhung der staatlichen Mindestrente - dem einzigen staatlichen Element im Rentensystem Chiles - wird zwar ein Teil der Probleme, die durch zu niedrige Investitionen in die AFPs entstehen, gemildert, Kritiker sehen darin jedoch lediglich eine Bekämpfung der Symptome. Bereits zu Beginn November, als das Gesetz die erste Instanz passierte, bezeichnete der Anwalt Gabriel Boric dies als einen Schritt in die falsche Richtung: "Das Gesetz weist in die falsche Richtung, da es das strukturelle Problem des derzeitigen Systems nicht an der Wurzel angeht." Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hält eine umfassende Reform langfristig für wünschenswert. Vor allem ein größerer Anteil der Arbeitgeber wird als sinnvoll erachtet.(aj)

Foto: DFID - UK Department for International Development,CC BY-SA 2.0.