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Mindestens ein Toter bei Protest in Ecuador

Der Widerstand gegen die gestiegenen Spritpreise reißt nicht ab. Vor allem Angehörige der Indigenen demonstrieren gegen die Politik des Präsidenten Moreno. Zwischenzeitlich hatten sie sogar Polizisten in ihrer Gewalt.

Bei den regierungskritischen Kundgebungen in Ecuadors Hauptstadt Quito ist mindestens ein Demonstrant getötet worden. Nach Angaben der Konföderation der Indigenen Völker (CONAIE) wurde ein regionaler Führer von einer Tränengasgranate am Kopf getroffen und tödlich verletzt. Der Bürgerbeauftragte Ecuadors bestätigte den Tod des Mannes am Donnerstag, 10. Oktober 2019. Es seien auch vier weitere Menschen umgekommen, schrieb er auf Twitter, ohne jedoch nähere Angaben zu machen.

Die Leiche des getöteten Regionalführers der Indigenen wurde in einem Kulturzentrum in Quito aufgebahrt. Mehrere Polizisten wurden von indigenen Demonstranten dazu gezwungen, den Sarg in die Halle zu tragen. Die Regierung des Präsidenten Lenín Moreno verlangte die Freilassung der Beamten; die Demonstranten entsprachen dieser Forderung schließlich. Ein Fernsehjournalist wurde beim Verlassen des Kulturzentrums durch einen Steinwurf am Kopf verletzt.

Benzinpreis künstlich niedrig gehalten

Abgesehen von dem tödlichen Zwischenfall am Mittwoch war die Großkundgebung der CONAIE gegen die Erhöhung der Spritpreise zunächst größtenteils friedlich verlaufen. Bei Einbruch der Dunkelheit kam es jedoch zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die indigenen Völker protestieren - wie auch Gewerkschaften und Studenten - gegen die Streichung von Subventionen, die die Treibstoffpreise niedrig hielten.

Morenos Regierung hatte die Maßnahme beschlossen, um im Rahmen der Auflagen für einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) den Staatshaushalt zu sanieren. Nach einer Woche anhaltender Proteste bot sie an, einen Teil des gesparten Geldes zu investieren, um die Agrarwirtschaft in den Gebieten der Indigenen zu unterstützen. Die CONAIE besteht jedoch darauf, die Subventionen wieder zu gewähren und den von der Regierung verhängten Ausnahmezustand aufzuheben.

Ex-Präsident: "Das kommt Barbarei gleich"

Der ecuadorianische Ex-Präsident Rafael Correa übte im Gespräch mit der Deutschen Welle heftige Kritik an seinem Nachfolger - und vormaligen politischen Unterstützer - Moreno: "Er hat sich ganz nach rechts begeben auf die Seite des IWF - vollständig und unnötigerweise. Der Plan ist es, uns in eine freie Marktwirtschaft zu führen - was in Gesellschaften wie der unseren der Barbarei gleichkommt." Als Erklärung für seine Sichtweise fügte Correa hinzu, Lateinamerika sei "die Region der Welt mit der größten Ungleichheit."

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